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Sepia GlobuliSepia officinalis · Gewöhnlicher Tintenfisch

Das große Frauenmittel der Erschöpfung: ausgelaugt von allem, was an einem hängt, gereizt ausgerechnet gegenüber den Liebsten, mit dem Wunsch nach Ruhe statt Nähe – und der überraschenden Besserung durch kräftige Bewegung, am liebsten Tanzen. Kaum ein Mittelbild der Materia medica ist so unverwechselbar gezeichnet.

ELEva Landefeld· HeilpraktikerinVeröffentlicht März 2017 · Überarbeitet Juli 2026
Naturhistorische Illustration von Sepia Officinalis (der gemeine Tintenfisch) (Gewöhnlicher Tintenfisch) – Ausgangssubstanz der homöopathischen Globuli
Sepia Officinalis – Gewöhnlicher Tintenfisch: Ausgangs­substanz der homöopathischen Zubereitung

Das Wichtigste zuerst

Übliche Potenz

D12

Üblich für die Selbstanwendung; D6 für häufigere Gaben, Hochpotenzen gehören in die Konstitutionsbehandlung.

Gabe

5 Globuli

2- bis 3-mal täglich – Sepia ist kein Mittel für den Minutentakt. Kinder 3 Globuli.

Bis wann

Tage bis Wochen

Zyklusnahe Themen über die betroffenen Tage begleiten; bessert sich das Bild, Abstände strecken.

Leitgedanke der Mittelwahl: Sepia passt, wenn die Kraft aufgebraucht ist: gereizt gegenüber den Nächsten, Bedürfnis nach Ruhe statt Nähe, Schweregefühl nach unten – und deutliche Besserung durch kräftige Bewegung bis hin zum Tanzen.

Sepia Officinalis in typischen Situationen

Wie die homöopathische Praxis das Mittel je nach Anlass einsetzt.

Erschöpfung mit Reizbarkeit

Der Akku ist leer, die Geduld dünn: sarkastische Bemerkungen, danach Reue – und der Wunsch, einfach in Ruhe gelassen zu werden.

Potenz:
D12

Gabe:
2-mal täglich 5 Globuli über ein bis zwei Wochen.

Zyklusbeschwerden mit Schweregefühl

Vor und während der Regel drängt alles nach unten, die Beine sind schwer, die Stimmung gereizt bis gleichgültig.

Potenz:
D12

Gabe:
2- bis 3-mal täglich 5 Globuli in den betroffenen Tagen.

Begleitung der Wechseljahre

Aufsteigende Wallungen, Neigung zum Frieren dazwischen, dünne Geduld – die Tradition wählt Sepia, wenn Erschöpfung und Rückzug das Bild prägen.

Potenz:
D12

Gabe:
2-mal täglich 5 Globuli über längere Zeit, mit Besserung seltener.

Schwangerschaftsübelkeit

Morgendliche Übelkeit mit großer Geruchsempfindlichkeit – schon der Essensgeruch aus der Küche ist zu viel.

Potenz:
D12

Gabe:
2- bis 3-mal täglich 5 Globuli; die Anwendung in der Schwangerschaft gern kurz mit Hebamme oder Arzt abstimmen.

Kopfschmerzen und Migräne

Eher linksseitige, zyklusnahe Kopfschmerzen bei erschöpfter Grundstimmung – draußen in Bewegung wird es erträglicher.

Potenz:
D12

Gabe:
3-mal täglich 5 Globuli in der beschwerdereichen Phase.

Schwere, müde Beine

Steifheit und Schweregefühl in den Beinen, Neigung zu Krampfadern – langes Stehen verschlimmert, zügiges Gehen bessert.

Potenz:
D12

Gabe:
2-mal täglich 5 Globuli über zwei bis drei Wochen.

Das Mittelbild

  • Gefühl von Schwere und Abwärtsdrängen der Beckenorgane
  • Steifheit und Schweregefühl in den Beinen
  • Gelbliche Flecken im Gesicht, sattelförmig über dem Nasenrücken
  • Neigung zum Frieren und übelriechende Schweiße
  • Verlangen nach sauren Lebensmitteln und nach Bewegung bzw. Tanzen
  • Traurige Gereiztheit im Wechsel mit Gleichgültigkeit

↓ Verschlimmerung durch

  • Kälte
  • Vor oder während der Menstruation
  • Hormonelle Umstellungen (Schwangerschaft, Menopause)
  • Sitzen oder Stehen
  • Am Meer

↑ Besserung durch

  • + Kräftige körperliche Bewegung
  • + Wärme
  • + Abends

WechseljahresbeschwerdenMenstruationsbeschwerdenPMSSchwangerschaftsübelkeitKopfschmerzenMigräneBlasenentzündungInkontinenzVerstopfungRückenschmerzenKrampfadernWarzenErschöpfungReizbarkeit

Darreichungsformen

FormÜblichWofür
GlobuliD6, D12, C30Die verbreitetste Form; Hochpotenzen sind Sache der Konstitutionsbehandlung.
TablettenD6, D12Gleichwertige Alternative, enthält meist Milchzucker.

Sepia Officinalis – oder passt ein anderes Mittel besser?

Die klassische Abgrenzung innerhalb verwandter Mittel.

Substanz & Hintergrund

Der Tintenfisch gehört zur Familie der Mollusken (Wirbellose, Weichtiere), denen auch Schnecken und Austern angehören. Als Cephalopode (Kopffüßler) besitzt er allerdings keine Schale, sondern nur noch ein Überbleibsel im Körper. Dieser Schulp gibt dem Tintenfisch und seiner Muskulatur Halt und man kann ihn oft an Stränden oder in Wellensittich-Käfigen wieder finden.

Als Sepia wird ein Homöopathikum bezeichnet, dessen Gewinnung aus dem Tintenbeutel des Gewöhnlichen Tintenfisches (Sepia officinalis) erfolgt. Dieser ist im Atlantik, im Mittelmeer sowie in der Nordsee beheimatet.

Anwendungsmöglichkeiten

Sepia lässt sich mannigfaltig anwenden und eignet sich sowohl für erwachsene Patienten als auch für Kinder und Jugendliche. Als unverzichtbar gilt das Homöopathikum insbesondere für Frauen, was vor allem Probleme in der Gynäkologie betrifft. Sepia entfaltet seine Wirkung aber nicht nur bei körperlichen Leiden, sondern wirkt sich auch positiv auf die Psyche aus. Wichtigste Anwendungsgebiete stellen Reizbarkeit mit Erschöpfung und Depressionen dar. Als bedeutende Angriffspunkte des Körpers gelten Kopf, Haut, Magen-Darm-Trakt, Bewegungsapparat sowie Harn- und Geschlechtsorgane. Zum Einsatz gelangt Sepia hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen, wenngleich nicht unbedingt bei Babys, sowie bei erwachsenen Menschen, aber weniger bei Senioren. Die hormonellen Effekte von Sepia sind sehr ausgeprägt. Zur zentralen Sepia-Idee zählt der Begriff Stase, den der griechische Homöopath Vitoulkhas prägte. Dabei bezog er sich auf einen Zustand, der durch das Neutralisieren von dynamischen Spannungen, von denen sämtliche Organismen belebt werden, zustande kommt. Dieser führt zu einem Anstau auf allen Ebenen wie physische Gewebeschlaffheit, sexuelle und hormonelle Funktionsbeeinträchtigungen sowie geistige Abstumpfung und psychische Trägheit. Bei Kindern macht sich die Stase seelisch in Form von Gleichgültigkeit und physisch durch Verstopfung und Ohnmachtsanfälle bemerkbar. Die lebhaften, aktiven Kinder fühlen sich durch ihre Tagespflichten überlastet und reagieren sensibel auf kritische Äußerungen. Nicht selten zeigen sie sich wütend und reizbar, besitzen jedoch ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Oftmals besteht ein Mangel an Lebenswärme. Bei größeren hormonellen Umstellungen wie in der Schwangerschaft kommt es häufig zu Ohnmachtsanfällen. Körperlich präsentieren sich die betroffenen Personen hager und groß. Die Frauen sind meist flachbrüstig und haben schmale Hüften. Im Gesicht kann eine Behaarung vorliegen, die an Hirsutismus (Damenbart) grenzt. Es gibt aber auch beleibte Frauen, die unter starker Erschöpfung leiden. Sie besitzen oft eindrucksvolle, dunkle Augen. Kommt es zu Bewegung, Anstrengung oder Wärme, bessern sich die Beschwerden. Die monatliche Blutung, hormonelle Umstellungen, Druck durch Kleidungsstücke, Kälte, Sitzen oder Stehen können jedoch Verschlechterungen des Beschwerdebilds auslösen.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Die homöopathischen Arzneien gelten als energetische Mittel. Die Grundlage ihrer Wirkung wird durch das Ähnlichkeitsprinzip gebildet. Homöopathika wie die Sepia Globuli wirken dem Immunsystem des Körpers nicht entgegen, sondern helfen ihm, seinen natürlichen Funktionen nachzukommen. Um einen heilenden Effekt zu gewährleisten, wird ein Reiz benötigt, der den therapierenden Beschwerden ähnlich ist. Dadurch ist es möglich, die Selbstheilungskräfte des Organismus zu aktivieren. Dabei hilft die Natur bei der Beseitigung der Beschwerden. Einzige Nebenwirkung der Sepia Globuli kann die vorübergehende Erstverschlimmerung sein. Sie tritt vor allem im Rahmen von Hochpotenzen auf, wird aber von Homöopathen nicht als negativ eingestuft, sondern gilt vielmehr als positives Signal für die Wirkung des Homöopathikums.

Hintergrundinformationen

Bei Sepien handelt es sich um Kopffüßer, die durch ihren weichen Körper eine bestimmte Festigkeit erhalten. Sie sind imstande, ihre Hautfarbe derart zu verändern, dass sie sich ihrem Hintergrund nahezu perfekt anpassen. Erschreckt sich der Tintenfisch, verspritzt er dunkle Farbe. Die überaus beweglichen Sepien sind Einzelgänger, die sich nur während der Paarungszeit miteinander treffen. Dabei kommt es zum Kampf um die Weibchen. Auch die Paarung selbst hat Ähnlichkeit mit einem Kampf. Nach der Paarung sowie der Ablage der Eier sterben beide Eltern, sodass die Jungen allein ausschlüpfen.

Das Mittel steht dann zur Wahl, wenn die Beschwerden des Patienten ein Ausdruck von Stase auf körperlicher und emotionaler Ebene wieder spiegeln. Dies kann sich u.a. durch niedrigen Blutdruck, Antriebslosigkeit, verminderte Blutzirkulation, verringerte Körpertemperatur, oder Niedergeschlagenheit zeigen.

Sepia kommt zur Anwendung bei Schwäche und Erschlaffung der glatten Muskulatur, was zu Funktionsstörungen im Bereich von Darm, Beckenorganen und Gefäßen führen kann. Sepia wird als „Frauenmittel“ bezeichnet, da es sich zur Behandlung von Beschwerden des Hormonsystems und der Fortpflanzungsorgane bewährt hat. Da die Homöopathie aber dem Prinzip der Ähnlichkeit verpflichtet ist, findet das Mittel ebenfalls seine Anwendung zur Behandlung von Männern.

Das homöopathische Mittel wird aus der getrockneten Tinte des Tintenfischs hergestellt.

Es wirkt insbesondere auf…

den venösen Kreislauf (Verdauungstrakt, Pfortadersystem, weibliche Beckenorgane), Nerven, Haut und ist ein linkseitiges Mittel.

…und kann zur Behandlung von folgenden Beschwerden in Frage kommen

  • Morbus-Raynaud (Raynaud-Syndrom)

  • Depression

  • Endometriose

  • Harninkontinenz

  • Organsenkungen (Blase, Uterus)

  • Hirsutismus (männliches Behaarungsmuster bei Frauen)

  • Wechseljahresbeschwerden

  • Regelbeschwerden

  • Migräne, Kopfschmerzen

  • Rückenschmerzen

  • Prämenstruelles Syndrom (PMS)

  • Verstopfung

  • Psoriasis

  • Prostata-Entzündung

  • Schwangerschaftsübelkeit

  • Blasenentzündungen

  • Warzen

  • Krampfadern (Varizen)

Für die Wahl von Sepia officinalis ist das Auftreten der folgenden Symptome wichtig

Beschwerden entstehen infolge von…

  • Hormonschwankungen

  • erschlaffendes Gewebe

  • Schuldgefühlen

  • selbstgewählter Isolation

  • Probleme mit der Rolle als Frau und Mutter

  • Erschöpfung

Leitsymptome

  • Gefühl von Schwere und Abwärtsdrängen der Beckenorgane, reflektorisch werden die Beine übereinander geschlagen bzw. gekreuzt

  • Steifheit und Schwere in den Beinen (venöse Stase)

  • Neigung zu gelben Flecken im Gesicht, insbesondere auf dem Nasenrücken in Sattelform

  • Halsbekleidung wird als zu eng empfunden, trägt eher große Ausschnitte

  • Verlangen zu Tanzen

  • Verlangen nach sauren Lebensmitteln

  • Gewebe neigen zur Erschlaffung, Organe zur Absenkung (Prolaps)

  • übelriechende Schweiße, insbesondere unter den Achseln und in den Kniekehlen

  • Neigung zum Frieren

  • Liebt Gewitter (dann bewegt sich etwas, während man sich selbst im Stillstand befindet)

Beschwerden verschlimmern sich durch…

  • Kälte

  • vor oder während der Menstruation

  • durch Schwangerschaft, Fehlgeburt oder Abtreibung

  • durch häufigen Geschlechtsverkehr (z.B. „Honeymoon-Zystitis“)

  • in der Menopause

  • Flüssigkeitsverlust

  • am Meer

Beschwerden bessern sich durch…

  • kräftige, körperliche Bewegung (manchmal bis zur totalen Erschöpfung)

  • abends

Gemütsymptome

  • traurige Gereiztheit abwechselnd mit Gleichgültigkeit, Apathie

  • unwillkürliches Weinen, weiß nicht warum

  • sarkastische und schneidende Bemerkungen, gefolgt von Reue

  • emotional distanziert zur Familie

  • Abneigung gegen den Ehemann

  • fühlt sich besser wenn sie alleine ist

  • Abneigung gegen Gesellschaft bei gleichzeitiger Angst vor dem völligen Alleinsein

Substanz

Die Tinte des Tintenfischs enthält eine bestimmte Form von Melaninen (Sepiomelanin), welches für die Pigmentierung von Haut, Haaren und Netzhaut verantwortlich ist und auch in der Leber und den Nebennieren enthalten ist. Eine Überpigmentierung kennen wir von Melanomen und Hautflecken (Chloasmen). Melanine sind allerdings nicht nur für die Pigmentierung zuständig, sie stehen auch in engem Zusammenhang zum neurohormonalen System, u.a. die Produktion von Nebennierenrinden- und Sexualhormonen.

Häufige Fragen zu Sepia Officinalis

Wann ist Sepia das richtige Mittel?

Wenn Erschöpfung und Reizbarkeit zusammenkommen: Die Kraft ist aufgebraucht, die Nächsten strengen an, Ruhe ist wichtiger als Nähe. Dazu passen Schweregefühl nach unten, Frieren, Verlangen nach Saurem – und die auffällige Besserung durch kräftige Bewegung.

Ist Sepia nur ein Frauenmittel?

Der Ruf als großes Frauenmittel kommt von den bewährten Einsatzfeldern rund um Zyklus, Schwangerschaft und Wechseljahre. Das Mittelbild selbst kennt kein Geschlecht – die Tradition wählt Sepia ebenso für erschöpfte, gereizte Männer, wenn das Bild passt.

Sepia oder Pulsatilla bei Zyklusthemen?

Die Gemütslage entscheidet: Pulsatilla weint leise und sucht Trost und Gesellschaft, Sepia ist gereizt und will allein sein. Pulsatilla zieht es an die frische Luft, Sepia in die kräftige Bewegung – zwei klare Bilder bei ähnlichen Beschwerden.

Hilft Sepia bei Schwangerschaftsübelkeit?

Die Tradition zählt Sepia zu den meistgewählten Mitteln bei morgendlicher Übelkeit mit ausgeprägter Geruchsempfindlichkeit. In der Schwangerschaft gehört die Anwendung kurz mit Hebamme oder Arzt abgestimmt – dann steht der Selbstanwendung in D12 nichts im Weg.

Warum bessert ausgerechnet Tanzen?

Das Verlangen zu tanzen ist in der Materia medica ausdrücklich verzeichnet und gilt als Schlüssel zum Mittel: Die zentrale Sepia-Idee ist die Stase, der Stillstand – was stockt und nach unten drängt, kommt durch kräftige Bewegung wieder in Fluss.

Welche Potenz von Sepia ist üblich?

Für die Selbstanwendung D6 oder D12. In der Konstitutionsbehandlung arbeiten erfahrene Homöopathen auch mit Hochpotenzen – das gehört in deren Hände.