Homöopathie-Glossar
Die Grundbegriffe der Homöopathie, präzise erklärt – vom Arzneimittelbild bis zur Urtinktur. Für alle, die verstehen wollen, wovon in der Materia medica die Rede ist.
- Arzneimittelbildauch: Mittelbild
- Die Gesamtheit der Symptome und Charakteristika, die die homöopathische Tradition einem Mittel zuordnet – von körperlichen Beschwerden über Modalitäten bis zu Gemütszügen. Die Kunst der Mittelwahl besteht darin, das Arzneimittelbild zu finden, das dem Beschwerdebild des Patienten am ähnlichsten ist.
- C-Potenzauch: Centesimalpotenz
- Potenzreihe im Verhältnis 1:100. Bei jeder Stufe wird ein Teil der Vorstufe mit 99 Teilen Träger (Alkohol-Wasser-Gemisch oder Milchzucker) verschüttelt bzw. verrieben. C30 bedeutet: 30 solcher Schritte. C30 gilt als klassische Akutpotenz der homöopathischen Praxis.
- D-Potenzauch: Dezimalpotenz
- Potenzreihe im Verhältnis 1:10 – die im deutschsprachigen Raum gebräuchlichste Form für die Selbstanwendung. Traditionell gelten D6 und D12 als typische „Hausapotheken-Potenzen“, während Hochpotenzen erfahrenen Behandlern vorbehalten bleiben.
- Dilution
- Flüssige Darreichungsform: die potenzierte Arznei in Alkohol-Wasser-Lösung, als Tropfen eingenommen. Alternative zu Globuli, etwa wenn Saccharose vermieden werden soll – für Kinder sind Globuli wegen des Alkoholgehalts der Dilution die üblichere Wahl.
- Einzelmittel
- Eine homöopathische Arznei aus einer einzigen Ausgangssubstanz – der Ansatz der klassischen Homöopathie, wie ihn auch unser Globuli-Finder abbildet. Gegenstück ist das Komplexmittel.
- Erstverschlimmerung
- Die in der homöopathischen Praxis beschriebene vorübergehende Verstärkung der Beschwerden kurz nach Einnahme eines Mittels, traditionell als Zeichen dafür gedeutet, dass das Mittel greift. Sie ist typischerweise kurz und mild; eine länger anhaltende Verschlechterung spricht dagegen für eine andere Mittelwahl.
- Globuliauch: Streukügelchen
- Kleine Kügelchen aus Saccharose (Rohrzucker), die mit der potenzierten Arznei benetzt werden – die verbreitetste Darreichungsform homöopathischer Mittel. Globuli sind geschmacksneutral, lange haltbar und werden unter der Zunge zergehen gelassen.
- Hochpotenz und Tiefpotenz
- Faustregel der Praxis: Tiefpotenzen (bis ca. D12/C12) gelten als Mittel der Selbstanwendung bei akuten Alltagsbeschwerden, Hochpotenzen (C30, C200, 1M …) als Werkzeug erfahrener Behandler für die Konstitutions- und Gemütsbehandlung.
- Komplexmittel
- Fertigkombinationen mehrerer homöopathischer Einzelmittel, die auf ein Anwendungsgebiet zugeschnitten sind. Sie vereinfachen die Auswahl, widersprechen aber dem individualisierenden Ansatz der klassischen Homöopathie – ein Dauerthema in der Community.
- Konstitutionsmittel
- Ein Mittel, das die klassische Homöopathie nicht anhand einer akuten Beschwerde, sondern anhand der Gesamtverfassung eines Menschen wählt – Körperbau, Temperament, Reaktionsmuster, Vorgeschichte. Die Konstitutionsbehandlung ist die Königsdisziplin der klassischen Homöopathie und gehört in erfahrene Hände.
- Leitsymptome
- Die besonders charakteristischen, „führenden“ Symptome eines Arzneimittelbildes, die es von ähnlichen Mitteln unterscheiden. Beispiel: plötzlich einschießendes, pulsierendes Fieber mit heißem rotem Kopf gilt traditionell als Leitsymptom von Belladonna – im Unterschied zum angst-geprägten Bild von Aconitum.
- LM-Potenzauch: Q-Potenz, Quinquagintamillesimalpotenz
- Potenzreihe im Verhältnis 1:50.000, die Samuel Hahnemann in seinen späten Jahren entwickelte. LM-Potenzen gelten in der homöopathischen Praxis als besonders „sanft“ und werden meist täglich in Wasser eingenommen.
- Materia medica
- Die Arzneimittellehre der Homöopathie: systematische Sammlungen, die für jedes Mittel das überlieferte Arzneimittelbild beschreiben – Symptome, Modalitäten, Gemütsbild und bewährte Anwendungsgebiete. Unser Globuli-Finder ist als moderne, strukturierte Materia medica angelegt.
- Modalitäten
- Umstände, unter denen sich Beschwerden bessern oder verschlimmern: Wärme oder Kälte, Ruhe oder Bewegung, Tageszeit, Berührung, Wetter. In der homöopathischen Fallaufnahme sind Modalitäten oft das Zünglein an der Waage zwischen zwei ähnlichen Mitteln.
- Nosoden
- Homöopathische Zubereitungen aus Krankheitsprodukten oder Erregermaterial (stets hoch potenziert und keimfrei), etwa Carcinosinum oder Tuberculinum. Sie werden traditionell in der Konstitutionsbehandlung eingesetzt – ein Feld für erfahrene Behandler.
- Potenzierungauch: Dynamisierung
- Das zentrale Herstellungsverfahren der Homöopathie: schrittweises Verdünnen der Ausgangssubstanz mit Verschütteln (bei flüssigen Zubereitungen) oder Verreiben (bei festen). Nach homöopathischem Verständnis wird die Arznei dadurch nicht abgeschwächt, sondern in ihrer Information „dynamisiert“ – Hahnemann sprach vom Aufschließen der Arzneikraft.
- Repertorisationauch: Repertorium
- Die methodische Mittelsuche über ein Repertorium – ein nach Symptomen geordnetes Verzeichnis, das zu jedem Symptom die traditionell zugeordneten Mittel auflistet. Unser Beschwerden-Register folgt diesem Prinzip in digitaler Form.
- Schüßler-Salzeauch: Biochemie nach Schüßler
- Zwölf potenzierte Mineralsalze nach Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898). Anders als die Homöopathie zielt Schüßlers „Biochemie“ auf den Mineralstoffhaushalt der Zellen. Üblich sind die Potenzen D6 und D12.
- Similia-Prinzipauch: Ähnlichkeitsregel, Simileprinzip
- „Similia similibus curentur“ – Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden. Das Gründungsprinzip der Homöopathie nach Samuel Hahnemann (1755–1843): Ein Stoff, der beim Gesunden bestimmte Symptome hervorruft, soll beim Kranken mit ähnlichen Symptomen als potenzierte Arznei eingesetzt werden.
- Urtinktur
- Die alkoholische Ausgangslösung einer homöopathischen Arznei, gewonnen aus frischen Pflanzen, tierischen Substanzen oder gelösten Mineralien. Aus der Urtinktur (Zeichen: Ø) werden alle weiteren Potenzstufen hergestellt.
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