Mittelbild & Leitsymptome
- Zahnschmerz strahlt ins Ohr – und das Ohr in den Zahn
- Zähne sind berührungsempfindlich, kalte Luft unerträglich
- Starker Speichelfluss während des Zahnschmerzes
- Reichliches nächtliches Einnässen im tiefen Schlaf
- Juckende, brennende Stellen nach Insektenstichen
Plantago major, der Breitwegerich, wächst genau dort, wo Menschen gehen: an Wegen, auf Trittrasen, zwischen Pflastersteinen. In der homöopathischen Arzneimittellehre hat die unauffällige Pflanze einen klar umschriebenen Platz – bei Zahn- und Ohrbeschwerden.
Das Arzneimittelbild verknüpft beide Bereiche: Der Zahnschmerz zieht ins Ohr, der Ohrenschmerz meldet sich im Zahn, und die Zähne sind so berührungsempfindlich, dass schon kalte Luft unangenehm wird. Ein zweiter, in der Praxisliteratur viel genannter Strang ist das Bettnässen bei Kindern, die nachts tief und reichlich einnässen. Als Wundpflanze begleitet der Wegerich die Menschen seit der Antike.
Mittelbild und Leitsymptome
Das Arzneimittelbild von Plantago ist eng auf Zähne, Kiefer und Ohren begrenzt und dabei erfreulich deutlich gezeichnet. Boericke beschreibt einen Zahnschmerz, der in das gleichseitige Ohr zieht, und ebenso den umgekehrten Weg: Ohrenschmerz, der im Zahn empfunden wird. Die Zähne selbst sind auffallend berührungsempfindlich, das Zubeißen wird gemieden, kalte Luft am offenen Mund ist kaum erträglich.
Charakteristisch ist der reichliche Speichelfluss, der den Schmerz begleitet, gelegentlich mit Tränenfluss auf der betroffenen Seite. Der Schmerz wird als reißend, wühlend oder pulsierend beschrieben und sitzt häufig in kariösen, ausgehöhlten Zähnen; die klassische Literatur nennt auch Gesichtsschmerzen, die vom Kiefer ausgehen und rechts stärker sind.
Das Zahnfleisch gehört zum Bild: gerötet, empfindlich, leicht wund, mit einem Gefühl der Lockerung der Zähne.
Der zweite Strang ist das nächtliche Einnässen bei Kindern. Beschrieben wird ein reichlicher, blasser Harn und ein Schlaf, aus dem das Kind nicht wach wird; tagsüber ist der Harndrang häufig, ohne dass Brennen dazugehört.
Äußerlich steht die Pflanze in einer sehr alten Tradition: Bei Insektenstichen, kleinen Schürfwunden und juckenden Hautstellen wurde der Saft frischer Blätter aufgelegt – eine Anwendung, die in der homöopathischen Praxisliteratur als Urtinktur weiterlebt.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Plantago traditionell bei Zahnschmerzen eingesetzt, besonders bei solchen, die ins Ohr ausstrahlen, bei überempfindlichen Zähnen, die auf Berührung, Kauen und kalte Luft reagieren, sowie bei gereiztem, leicht wundem Zahnfleisch. Auch nach zahnärztlichen Eingriffen nennt die Praxisliteratur das Mittel, wenn die Zähne nachträglich empfindlich bleiben.
Eng damit verbunden sind Ohrenschmerzen, die im Kiefer beginnen oder in den Zahn ziehen, und Gesichtsschmerzen mit ähnlichem Verlauf.
Ein eigenes traditionelles Feld ist das Bettnässen bei Kindern mit reichlichem Harn und tiefem Schlaf. Homöopathen wählen das Mittel, wenn keine Brennsymptome dabei sind.
Äußerlich wird die Urtinktur bei Insektenstichen, kleinen Wunden und juckenden Hautstellen verwendet. Überliefert ist außerdem die Anwendung als Begleitung, wenn jemand das Rauchen aufgeben möchte – Boericke erwähnt diese Verwendung ausdrücklich.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Berührung der Zähne
- – kalte Luft
- – Kauen
- – Lärm
- – nachts
↑ Besserung durch
- + Wärme an Wange und Ohr
- + Essen
- + frische Luft
- + Ruhe
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für die Selbstanwendung sind bei Plantago die Tiefpotenzen D6 und D12 gebräuchlich. Bei akutem Zahnschmerz sind fünf Globuli in halb- bis einstündigem Abstand üblich, über wenige Stunden, danach in größeren Abständen. Beim Bettnässen arbeitet die Praxisliteratur mit der D6 oder D12 einmal täglich am Abend über einige Wochen.
Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz. Für Kinder werden die Globuli in etwas Wasser aufgelöst und schluckweise gegeben.
Äußerlich wird die Urtinktur verdünnt auf einen Umschlag gegeben oder unverdünnt punktuell auf Insektenstiche aufgetragen; auf offene Wunden gehört sie nur stark verdünnt. Sobald sich die Beschwerden bessern, wird die Einnahme beendet. Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild durch Berührung der Zähne ein, durch kalte Luft am geöffneten Mund, beim Kauen, durch Lärm und in der Nacht. Auch Zugluft an der betroffenen Gesichtsseite wird als verschlimmernd genannt.
Besserung beschreibt die Materia medica durch Wärme an Wange und Ohr, während des Essens, in frischer, ruhiger Luft und in körperlicher Ruhe. Die Verbindung von Zahn und Ohr, die Berührungsempfindlichkeit und der begleitende Speichelfluss sind die Zeichen, an denen Plantago in der klassischen Literatur von anderen Zahnmitteln unterschieden wird.
Substanz und Hintergrund
Der Breitwegerich ist ein Wegerichgewächs mit breiten, kräftig gerippten Grundblättern und schmalen, walzenförmigen Blütenständen. Er verträgt Tritt und Verdichtung besser als fast jede andere Pflanze und wächst deshalb auf Wegen, Höfen und Trittrasen in ganz Europa. Für die homöopathische Zubereitung wird die frische, blühende Pflanze samt Wurzel verarbeitet.
Die Pflanze ist nicht giftig. Ihre Blätter enthalten Schleimstoffe, Gerbstoffe und Iridoide; sie gehören zu den ältesten Wundpflanzen Europas. Wanderer legten sie auf Blasen und Insektenstiche, Plinius erwähnte den Wegerich, und in mittelalterlichen Kräuterbüchern steht er unter den zuverlässigsten Hausmitteln.
In die homöopathische Arzneimittellehre kam Plantago im 19. Jahrhundert. Boericke beschreibt das Mittel knapp, aber prägnant mit der Verbindung von Zahn und Ohr und dem nächtlichen Einnässen – eine Zeichnung, die sich in der Praxisliteratur bis heute unverändert findet.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Plantago major – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Aconitum Napellus
Blauer Eisenhut
Aconitum napellus, der Blaue Eisenhut, wird in der Homöopathie traditionell bei plötzlich und heftig einsetzenden Beschwerden eingesetzt — etwa im Anfangsstadium von Erkältungen und Fieber sowie bei Angst- und Unruhezuständen.
ErkältungenFieberGrippale InfekteTrockener Husten
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Atropa Belladonna
Tollkirsche
Atropa belladonna (Tollkirsche) zählt zu den bekanntesten homöopathischen Mitteln. Traditionelle Anwendungsgebiete sind plötzlich und heftig einsetzende Beschwerden mit hohem Fieber, Hitze und Entzündungszeichen, vor allem im Anfangsstadium akuter Infekte.
FieberGrippale InfekteHalsentzündungOhrenschmerzen
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Chamomilla
Kamille
Chamomilla wird aus der Kamille gewonnen und ist in der Homöopathie ein klassisches Mittel für Säuglinge und Kinder. Traditionelle Anwendungsgebiete sind Zahnungsbeschwerden, Blähungskoliken sowie Schmerzen mit ausgeprägter Reizbarkeit.
ZahnungsbeschwerdenZahnschmerzenOhrenschmerzenBauchkrämpfe
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Hepar Sulfuris
Kalkschwefelleber
Hepar Sulfuris (Kalkschwefelleber) wird aus Calciumsulfid hergestellt. Traditionelle Anwendungsgebiete in der Homöopathie sind eitrige Hautentzündungen, Abszesse und Akne sowie Hals- und Ohrenschmerzen und Nasennebenhöhlenentzündungen.
AbszesseAkneHautentzündungenFurunkel
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Plantago major
Wobei wird Plantago major in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Plantago major vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Zahnschmerzen, Empfindliche Zähne, Ohrenschmerzen, Zahnfleischbeschwerden, Gesichtsschmerzen, Bettnässen, Insektenstiche, Kleine Hautwunden, Juckende Haut. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Plantago major sind üblich?
Für Plantago major werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Plantago major?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Plantago major zuordnet: Zahnschmerz strahlt ins Ohr – und das Ohr in den Zahn; Zähne sind berührungsempfindlich, kalte Luft unerträglich; Starker Speichelfluss während des Zahnschmerzes; Reichliches nächtliches Einnässen im tiefen Schlaf; Juckende, brennende Stellen nach Insektenstichen.
