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Belladonna GlobuliAtropa belladonna · Tollkirsche

Das große Mittel für alles, was plötzlich und heftig beginnt: hohes Fieber mit glühend rotem Kopf, pochende Schmerzen, feuerrote Entzündung. Belladonna gehört in jede Hausapotheke – und ist in der Kinderheilkunde eines der am häufigsten gewählten Mittel.

ELEva Landefeld· HeilpraktikerinVeröffentlicht August 2017 · Überarbeitet Juli 2026
Botanische Illustration von Atropa Belladonna (Tollkirsche) – Ausgangssubstanz der homöopathischen Globuli
Atropa Belladonna – Tollkirsche: Ausgangs­substanz der homöopathischen Zubereitung

Das Wichtigste zuerst

Übliche Potenz

D12

Die gängige Wahl bei akutem Fieber. D6 bei milderem Verlauf, D30 für Erfahrene.

Gabe

5 Globuli

Im akuten Schub alle 30–60 Minuten, mit nachlassender Hitze seltener. Kinder 3 Globuli.

Bis wann

Wenige Tage

Belladonna ist ein Mittel des Anfangsstadiums – klingt die Hitze ab, wird abgesetzt.

Leitgedanke der Mittelwahl: Belladonna passt, wenn es plötzlich losgeht: glühend heißer roter Kopf bei kalten Füßen, weite Pupillen, pochender Schmerz – und alles wird schlimmer durch Erschütterung, Licht und Geräusch.

Atropa Belladonna in typischen Situationen

Wie die homöopathische Praxis das Mittel je nach Anlass einsetzt.

Plötzliches hohes Fieber

Das Kind war eben noch munter und glüht nun regelrecht – Kopf heiß, Füße kalt, Wangen brennend rot.

Potenz:
D12

Gabe:
5 Globuli (Kinder 3), im Schub alle 30–60 Minuten, mit sinkender Hitze strecken.

Halsentzündung

Feuerroter Hals, Schluckschmerz, das Gefühl von Trockenheit und Brennen.

Potenz:
D12

Gabe:
3- bis 5-mal täglich 5 Globuli.

Ohrenschmerzen

Stechende, pochende Ohrenschmerzen, oft nachts beginnend, mit Hitze und Unruhe.

Potenz:
D12

Gabe:
Stündlich 5 Globuli in der akuten Phase, dann 3-mal täglich.

Pochende Kopfschmerzen

Der Kopf hämmert im Puls, schlimmer beim Bücken, bei Licht und Lärm; Besserung durch Druck und Ruhe im Dunkeln.

Potenz:
D12

Gabe:
Alle 1–2 Stunden 5 Globuli, bis die Spannung nachlässt.

Zahnen mit roter Wange

Ein Bäckchen brennend rot, das Kind fiebrig und schreckhaft – das klassische Belladonna-Bild neben Chamomilla.

Potenz:
D12

Gabe:
3 Globuli in Wasser gelöst, bei Bedarf mehrmals täglich.

Sonnenstich-Bild

Nach zu viel Sonne: heißer roter Kopf, Klopfen in den Schläfen, Benommenheit.

Potenz:
D12

Gabe:
5 Globuli, im Abstand von 30–60 Minuten wiederholt.

Das Mittelbild

  • Plötzlich und heftig einsetzende Beschwerden
  • Hohes Fieber mit heißem Rumpf und kalten Extremitäten
  • Starke, pulsierende Schmerzen
  • Gerötete, heiße Haut und trockene, brennende Schleimhäute
  • Große Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Erschütterung
  • Ausgeprägte Unruhe und Überreiztheit

↓ Verschlimmerung durch

  • Licht
  • Geräusche
  • Erschütterung

FieberErkältungHalsschmerzenOhrenschmerzenMittelohrentzündungKopfschmerzenBlasenentzündungNasennebenhöhlenentzündungSonnenstichSonnenbrandZahnschmerzenZahnfleischentzündungBauchschmerzenBrustentzündungArthritis

Darreichungsformen

FormÜblichWofür
GlobuliD6, D12, D30Die verbreitetste Form; für Kinder in Wasser gelöst gut zu geben.
TablettenD6, D12Gleichwertige Alternative, enthält meist Milchzucker.
Dilution (Tropfen)D6, D12Flüssige Form mit Alkoholanteil – bei Kindern werden Globuli bevorzugt.

Atropa Belladonna – oder passt ein anderes Mittel besser?

Die klassische Abgrenzung innerhalb verwandter Mittel.

Substanz & Hintergrund

Belladonna gehört ebenfalls zu den bekannten homöopathischen Mitteln mit einem breiten Anwendungsspektrum. Immer wenn es sich um Beschwerden handelt, die sich rasch und heftig entwickeln und mit großer Hitze einhergehen, kann das Mittel in die engere Wahl gezogen werden.

Es ist ein Mittel, welches hauptsächlich bei akuten Erkrankungen im Anfangsstadium eingesetzt wird. Insbesondere bei heftigem Fieber, Entzündungen, starken und pulsierenden Schmerzen oder plötzlich auftretenden Infekten.

Charakteristisch für die Beschwerden ist neben der plötzlichen Heftigkeit auch die Überreiztheit des Betroffenen, der im Fieberdelirium um sich schlagen kann oder sehr empfindlich auf Licht, Geräusche oder Erschütterung reagiert. Das Mittel wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem und hat ebenfalls eine krampflösende Wirkung.

Es unterstützt die Überwindung von Fieber auf natürliche Weise. Sobald es zur Schweißbildung und Entfieberung kommt, ist das Mittel nicht mehr angezeigt.

Anwendungsmöglichkeiten

Dieses Mittel hat eine sehr deutliche Wirkung auf das Nervensystem, das in der Medizin in das sympathische und das parasympathische Nervensystem unterteilt wird. Der Sympathikus versetzt den Körper in einen Zustand der Erregung, der Parasympathikus sorgt dagegen für unsere körperliche Entspannung. Bei Überwiegen des Sympathikus verengen sich die Gefäße wie in einer extremen Stresssituation, die Verdauung kommt fast zum Stillstand, das Herz schlägt schnell und kräftig, die Atmung wird intensiver, bei erweiterten Pupillen ist der Geist recht wachsam und die Muskulatur ziemlich angespannt, jederzeit zur Flucht bereit.

Mit Atropa Belladonna werden genau diese beschriebenen Körperreaktionen stimuliert. An Schlaf ist dann nicht mehr zu denken, denn der Geist ist wild erregt und die Sinne sind geschärft für jegliche Reize, die aus der Umgebung kommen. Zugleich wird die Blutzirkulation angeregt, die Haut erscheint geradezu gerötet. Der ganze Körper wird von einer Hitze durchströmt. In dieser Situation ist ein Mensch ängstlich und nervös, hochgradig sensibel.

*Wer sich einen besonders hohen Grad der Aufmerksamkeit zum Beispiel in einer Prüfungssituation oder in einem Vorstellungsgespräch wünscht, kann mit wenigen Globuli Atropa Belladonna seinem Ziel recht nahe kommen. *Dennoch gehört diese Arznei in der Homöopathie bei entzündlichen Krankheitsbildern zu den wichtigsten Mitteln. Typische Anwendungsgebiete sind zum Beispiel fieberhafte Hals- und Mittelohrentzündungen (auch bei Kindern), insbesondere dann, wenn recht plötzlich heftige Beschwerden eintreten.

Das Krankheitsbild der Atropa Belladonna zeichnet sich durch eine große Unruhe aus, die wir oftmals gerade bei Kindern feststellen. Die Betroffenen können kaum still sitzen und leiden geradezu unter ihrem unstillbaren Bewegungsdrang. Auch bei trockenen, brennenden Schleimhäuten im Zuge von Erkältungen, Halsentzündungen (Pharyngitis), Masern, Keuchhusten oder Scharlach werden Atropa Belladonna Globuli gern verordnet.

Verabreichung homöopathischer Mittel an Säuglinge und Kleinkinder

Säuglinge (bis 12 Monate) können problemlos ein Kügelchen einnehmen, Babys und Kleinkinder bis zum dritten Lebensjahr dürfen zwei Globuli bekommen. Größere Kinder erhalten dann drei Globuli. Beim Säugling und Baby klappt das ganz gut, indem die Globuli in die Wangentasche gelegt werden. Tropfen (Dilution) sollen stets in Wasser gelöst und mit einem Plastiklöffel oder in einer Pipette verabreicht werden. Es ist auch möglich, den Schnuller immer wieder in die wässrige Arzneilösung einzutunken. Gut funktioniert die Arzneigabe mit der Trinkflasche.

Behandlungsdauer

Homöopathische Arzneimittel werden so lange eingenommen, bis sich die Beschwerden deutlich gebessert haben oder eine vollständige Heilung eingetreten ist. Während der Phase akuter Beschwerden finden die Einnahmen häufiger statt, bei Eintreten der Besserung können die Abstände immer weiter verlängert werden. Hohe Potenzen (C200 und größer) werden von Heilpraktikern oder heilkundigen homöopathischen Ärzten verordnet und sollten nicht in Eigenregie eingenommen werden.

Wirkungsweise und Nebenwirkungen

Die Wirkung homöopathischer Mittel basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Krankheiten sind immer mit bestimmten Symptomen verbunden, zum Beispiel Schüttelfrost. Bei der Homöopathie nach Hahnemann wird davon ausgegangen, dass dem Patienten ein hochgradig verdünntes Gift verabreicht werden soll, das genau dieselben Symptome, in diesem Fall Schüttelfrost, auslöst. Der Sinn der Sache liegt darin, dass im Körper Reaktionen beziehungsweise Regelkreise ausgelöst werden, die der Wirkung des Giftes entgegen arbeiten. Der Körper wird bei diesem Beispiel dazu veranlasst, selbst etwas gegen seinen Schüttelfrost zu tun. Dies bedeutet eine direkte Unterstützung des eigenen Immunsystems.

In der Homöopathie spricht man in diesem Zusammenhang vom "Prinzip der harmonischen Resonanz". Dabei wird die Lebensenergie Qui (oder Prana) in die trockenen oder flüssigen Medien eingeschlossen. Die Verdünnung des Mediums bedeutet dabei eine Potenzierung der darin enthaltenen Energie, was oftmals als ein Widerspruch aufgefasst wird: je höher die Potenz (Verdünnungsgrad), desto stärker die Wirkung des Mittels. Aber es geht eben um die dem Mittel innewohnende Energie, die mit unserem Körper interagieren soll, und diese reicht bei höherer Potenzierung tiefer.

Sulfur ist beispielsweise bekannt für das Auftreten einer Erstverschlimmerung, die anzeigt, dass der Körper auf das Mittel reagiert und daher durchaus positiv bewertet werden kann, wenn nach wenigen Tagen eine eindeutige Verbesserung eintritt. Bei Einnahmen, die deutlich über die erforderliche Zeit hinausgehen, kann es dazu kommen, dass die ursprünglichen Symptome wiederkehren. Hahnemann bezeichnete dies als "Spätverschlimmerung" und riet in diesen Fällen von einer Weiterbehandlung ab. In der Regel verschwinden dann derartige Spätreaktionen nach ungefähr vier Wochen.

Hintergrundinformationen

Dieses Nachtschattengewächs (Solanaceae) wird oft auch als Teufelsbeere bezeichnet, obwohl ihre heilende Wirkung in ganz Europa schon lange bekannt ist. Ihre rundlichen, circa kirschgroßen Früchte sind pechschwarz. Es ist eine mehrjährige Pflanze, die bis zu 1,50 Meter hochwachsen kann. Sie siedelt sich gern an Waldrändern oder lichten Stellen von Laub-, Misch- oder Nadelwäldern an, wobei sie lockere, etwas humusreiche und kalkhaltige Böden bevorzugt. In der Tat ist die Tollkirsche eine sehr giftige Pflanze. Ihr Verzehr kann tödlich sein. Kinder sind auch deshalb besonders gefährdet, weil der Geschmack der Beeren etwas süßlich ist. Für Vögel zum Beispiel ist die Tollkirsche aber nicht gefährlich. Das Gift Atropin verwendeten lange Zeit die Augenärzte zum Erweitern der Pupillen. Die heute dazu angewendeten Arzneien haben aber eine etwas kürzere Wirkdauer. In der Notfallmedizin, wo es bei Kreislaufstillstand eingesetzt wird, ist Atropin unverzichtbar.

Substanz

Atropa Belladonna gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und es gibt einige prominente Vertreter, die sich als homöopathische Mittel zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen vielfach bewährt haben. Dazu gehören u.a. Capsicum, Dulcamara, Hyoscyamus niger, Stramonium oder Nicotiana Tabacum.

Die Staude mit den schwarzen Beeren wächst hauptsächlich an Waldlichtungen in gemäßigten Zonen Europas und den südamerikanischen Anden. Sie blüht von Juni bis August und ist giftig, wobei die giftigsten Teile die Samen, Wurzeln und Blätter sind.

Zu den giftigen Inhaltsstoffen zählen die Alkaloide Hysocyamin und Scopolamin, Atropin und Nicotin. Wobei Nicotin nur in geringen Spuren in der Pflanze vorkommt. In geringen Dosen hat die Pflanze eine eher stimulierende Wirkung, bei höheren Dosen kann es zum Atemstillstand kommen.

Anwendungen außerhalb der Homöopathie

Der Begriff kommt aus der lateinischen Sprache. Atropa bedeutet tödlicher Nachtschatten und geht auf Atropos die griechische Schicksalsgöttin zurück. Die Unvermeidliche, die den Lebensfaden durchschneidet. Belladonna bedeutet schöne Frau und gibt den Hinweis auf den Einsatz des Atropins, welches die Pupillen vergrößert. Heute kennen wir das vom Besuch beim Augenarzt, der eine vergrößerte Pupille zu diagnostischen Zwecken benötigt, früher galten vergrößerte Pupillen als Schönheitsideal.

Wegen der anregenden und teils halluzinogenen Wirkung, wurden Nachtschattengewächse im Mittelalter oft von Hexen verwendet. Die sog. „Flugsalbe“ enthält neben der Tollkirsche auch Bilsenkraut (Hyoscyamus), Stechapfel (Stramonium) und Alraune (Mandragora).

Es wurde weiterhin als beruhigendes Mittel (Sedativum), bei krampfartigen Beschwerden, Asthma und chronischem Husten eingesetzt. Vielfach wurde es auch als Aphrodisiakum (Libido steigerndes Mittel) eingesetzt.

Häufige Fragen zu Atropa Belladonna

Welche Potenz von Belladonna bei Fieber?

In der Selbstanwendung ist D12 die gängigste Wahl, bei milderem Verlauf D6. Traditionell wird im akuten Schub engmaschig gegeben und mit nachlassender Hitze gestreckt. C30 überlassen Anwender eher erfahrenen Behandlern.

Belladonna oder Aconitum – was ist der Unterschied?

Beide sind Mittel des plötzlichen Beginns. Aconitum steht für den Schreck-Beginn nach kaltem Wind, mit großer Angst und trockener Hitze. Belladonna zeigt das vollentwickelte Hitzebild: glühend roter Kopf, kalte Füße, pochende Schmerzen, weite Pupillen.

Ab welchem Alter wird Belladonna gegeben?

Belladonna gehört zu den Mitteln, die in der Kinderheilkunde traditionell in allen Altersstufen eingesetzt werden – bei Säuglingen in Wasser aufgelöst. Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt ohnehin: Fieber gehört untersucht.

Wie schnell wirkt Belladonna?

Anwender berichten bei passendem Bild von einer Veränderung innerhalb der ersten Stunden. Bleibt nach mehreren Gaben alles unverändert, spricht das für ein anderes Mittelbild – etwa Ferrum phosphoricum oder Bryonia.

Ist die Tollkirsche nicht giftig?

Die frische Pflanze ist stark giftig – deshalb wird in der Homöopathie ausschließlich die potenzierte Zubereitung verwendet. In den üblichen Potenzen ab D6 ist keine wirkstoffhaltige Menge mehr enthalten.

Wie lange gibt man Belladonna?

So lange das Hitzebild besteht, meist wenige Tage. Belladonna ist ein Akutmittel des Anfangsstadiums; sobald die Hitze abklingt und Schweiß einsetzt, wird traditionell abgesetzt.