Atropa Belladonna in typischen Situationen
Wie die homöopathische Praxis das Mittel je nach Anlass einsetzt.
Plötzliches hohes Fieber
Das Kind war eben noch munter und glüht nun regelrecht – Kopf heiß, Füße kalt, Wangen brennend rot.
- Potenz:
- D12
- Gabe:
- 5 Globuli (Kinder 3), im Schub alle 30–60 Minuten, mit sinkender Hitze strecken.
Halsentzündung
Feuerroter Hals, Schluckschmerz, das Gefühl von Trockenheit und Brennen.
- Potenz:
- D12
- Gabe:
- 3- bis 5-mal täglich 5 Globuli.
Ohrenschmerzen
Stechende, pochende Ohrenschmerzen, oft nachts beginnend, mit Hitze und Unruhe.
- Potenz:
- D12
- Gabe:
- Stündlich 5 Globuli in der akuten Phase, dann 3-mal täglich.
Pochende Kopfschmerzen
Der Kopf hämmert im Puls, schlimmer beim Bücken, bei Licht und Lärm; Besserung durch Druck und Ruhe im Dunkeln.
- Potenz:
- D12
- Gabe:
- Alle 1–2 Stunden 5 Globuli, bis die Spannung nachlässt.
Zahnen mit roter Wange
Ein Bäckchen brennend rot, das Kind fiebrig und schreckhaft – das klassische Belladonna-Bild neben Chamomilla.
- Potenz:
- D12
- Gabe:
- 3 Globuli in Wasser gelöst, bei Bedarf mehrmals täglich.
Sonnenstich-Bild
Nach zu viel Sonne: heißer roter Kopf, Klopfen in den Schläfen, Benommenheit.
- Potenz:
- D12
- Gabe:
- 5 Globuli, im Abstand von 30–60 Minuten wiederholt.
Das Mittelbild
- Plötzlich und heftig einsetzende Beschwerden
- Hohes Fieber mit heißem Rumpf und kalten Extremitäten
- Starke, pulsierende Schmerzen
- Gerötete, heiße Haut und trockene, brennende Schleimhäute
- Große Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Erschütterung
- Ausgeprägte Unruhe und Überreiztheit
↓ Verschlimmerung durch
- – Licht
- – Geräusche
- – Erschütterung
FieberErkältungHalsschmerzenOhrenschmerzenMittelohrentzündungKopfschmerzenBlasenentzündungNasennebenhöhlenentzündungSonnenstichSonnenbrandZahnschmerzenZahnfleischentzündungBauchschmerzenBrustentzündungArthritis
Darreichungsformen
| Form | Üblich | Wofür |
|---|---|---|
| Globuli | D6, D12, D30 | Die verbreitetste Form; für Kinder in Wasser gelöst gut zu geben. |
| Tabletten | D6, D12 | Gleichwertige Alternative, enthält meist Milchzucker. |
| Dilution (Tropfen) | D6, D12 | Flüssige Form mit Alkoholanteil – bei Kindern werden Globuli bevorzugt. |
Atropa Belladonna – oder passt ein anderes Mittel besser?
Die klassische Abgrenzung innerhalb verwandter Mittel.
Substanz & Hintergrund
Belladonna gehört ebenfalls zu den bekannten homöopathischen Mitteln mit einem breiten Anwendungsspektrum. Immer wenn es sich um Beschwerden handelt, die sich rasch und heftig entwickeln und mit großer Hitze einhergehen, kann das Mittel in die engere Wahl gezogen werden.
Es ist ein Mittel, welches hauptsächlich bei akuten Erkrankungen im Anfangsstadium eingesetzt wird. Insbesondere bei heftigem Fieber, Entzündungen, starken und pulsierenden Schmerzen oder plötzlich auftretenden Infekten.
Charakteristisch für die Beschwerden ist neben der plötzlichen Heftigkeit auch die Überreiztheit des Betroffenen, der im Fieberdelirium um sich schlagen kann oder sehr empfindlich auf Licht, Geräusche oder Erschütterung reagiert. Das Mittel wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem und hat ebenfalls eine krampflösende Wirkung.
Es unterstützt die Überwindung von Fieber auf natürliche Weise. Sobald es zur Schweißbildung und Entfieberung kommt, ist das Mittel nicht mehr angezeigt.
Anwendungsmöglichkeiten
Dieses Mittel hat eine sehr deutliche Wirkung auf das Nervensystem, das in der Medizin in das sympathische und das parasympathische Nervensystem unterteilt wird. Der Sympathikus versetzt den Körper in einen Zustand der Erregung, der Parasympathikus sorgt dagegen für unsere körperliche Entspannung. Bei Überwiegen des Sympathikus verengen sich die Gefäße wie in einer extremen Stresssituation, die Verdauung kommt fast zum Stillstand, das Herz schlägt schnell und kräftig, die Atmung wird intensiver, bei erweiterten Pupillen ist der Geist recht wachsam und die Muskulatur ziemlich angespannt, jederzeit zur Flucht bereit.
Mit Atropa Belladonna werden genau diese beschriebenen Körperreaktionen stimuliert. An Schlaf ist dann nicht mehr zu denken, denn der Geist ist wild erregt und die Sinne sind geschärft für jegliche Reize, die aus der Umgebung kommen. Zugleich wird die Blutzirkulation angeregt, die Haut erscheint geradezu gerötet. Der ganze Körper wird von einer Hitze durchströmt. In dieser Situation ist ein Mensch ängstlich und nervös, hochgradig sensibel.
*Wer sich einen besonders hohen Grad der Aufmerksamkeit zum Beispiel in einer Prüfungssituation oder in einem Vorstellungsgespräch wünscht, kann mit wenigen Globuli Atropa Belladonna seinem Ziel recht nahe kommen. *Dennoch gehört diese Arznei in der Homöopathie bei entzündlichen Krankheitsbildern zu den wichtigsten Mitteln. Typische Anwendungsgebiete sind zum Beispiel fieberhafte Hals- und Mittelohrentzündungen (auch bei Kindern), insbesondere dann, wenn recht plötzlich heftige Beschwerden eintreten.
Das Krankheitsbild der Atropa Belladonna zeichnet sich durch eine große Unruhe aus, die wir oftmals gerade bei Kindern feststellen. Die Betroffenen können kaum still sitzen und leiden geradezu unter ihrem unstillbaren Bewegungsdrang. Auch bei trockenen, brennenden Schleimhäuten im Zuge von Erkältungen, Halsentzündungen (Pharyngitis), Masern, Keuchhusten oder Scharlach werden Atropa Belladonna Globuli gern verordnet.
Verabreichung homöopathischer Mittel an Säuglinge und Kleinkinder
Säuglinge (bis 12 Monate) können problemlos ein Kügelchen einnehmen, Babys und Kleinkinder bis zum dritten Lebensjahr dürfen zwei Globuli bekommen. Größere Kinder erhalten dann drei Globuli. Beim Säugling und Baby klappt das ganz gut, indem die Globuli in die Wangentasche gelegt werden. Tropfen (Dilution) sollen stets in Wasser gelöst und mit einem Plastiklöffel oder in einer Pipette verabreicht werden. Es ist auch möglich, den Schnuller immer wieder in die wässrige Arzneilösung einzutunken. Gut funktioniert die Arzneigabe mit der Trinkflasche.
Behandlungsdauer
Homöopathische Arzneimittel werden so lange eingenommen, bis sich die Beschwerden deutlich gebessert haben oder eine vollständige Heilung eingetreten ist. Während der Phase akuter Beschwerden finden die Einnahmen häufiger statt, bei Eintreten der Besserung können die Abstände immer weiter verlängert werden. Hohe Potenzen (C200 und größer) werden von Heilpraktikern oder heilkundigen homöopathischen Ärzten verordnet und sollten nicht in Eigenregie eingenommen werden.
Wirkungsweise und Nebenwirkungen
Die Wirkung homöopathischer Mittel basiert auf dem Ähnlichkeitsprinzip. Krankheiten sind immer mit bestimmten Symptomen verbunden, zum Beispiel Schüttelfrost. Bei der Homöopathie nach Hahnemann wird davon ausgegangen, dass dem Patienten ein hochgradig verdünntes Gift verabreicht werden soll, das genau dieselben Symptome, in diesem Fall Schüttelfrost, auslöst. Der Sinn der Sache liegt darin, dass im Körper Reaktionen beziehungsweise Regelkreise ausgelöst werden, die der Wirkung des Giftes entgegen arbeiten. Der Körper wird bei diesem Beispiel dazu veranlasst, selbst etwas gegen seinen Schüttelfrost zu tun. Dies bedeutet eine direkte Unterstützung des eigenen Immunsystems.
In der Homöopathie spricht man in diesem Zusammenhang vom "Prinzip der harmonischen Resonanz". Dabei wird die Lebensenergie Qui (oder Prana) in die trockenen oder flüssigen Medien eingeschlossen. Die Verdünnung des Mediums bedeutet dabei eine Potenzierung der darin enthaltenen Energie, was oftmals als ein Widerspruch aufgefasst wird: je höher die Potenz (Verdünnungsgrad), desto stärker die Wirkung des Mittels. Aber es geht eben um die dem Mittel innewohnende Energie, die mit unserem Körper interagieren soll, und diese reicht bei höherer Potenzierung tiefer.
Sulfur ist beispielsweise bekannt für das Auftreten einer Erstverschlimmerung, die anzeigt, dass der Körper auf das Mittel reagiert und daher durchaus positiv bewertet werden kann, wenn nach wenigen Tagen eine eindeutige Verbesserung eintritt. Bei Einnahmen, die deutlich über die erforderliche Zeit hinausgehen, kann es dazu kommen, dass die ursprünglichen Symptome wiederkehren. Hahnemann bezeichnete dies als "Spätverschlimmerung" und riet in diesen Fällen von einer Weiterbehandlung ab. In der Regel verschwinden dann derartige Spätreaktionen nach ungefähr vier Wochen.
Hintergrundinformationen
Dieses Nachtschattengewächs (Solanaceae) wird oft auch als Teufelsbeere bezeichnet, obwohl ihre heilende Wirkung in ganz Europa schon lange bekannt ist. Ihre rundlichen, circa kirschgroßen Früchte sind pechschwarz. Es ist eine mehrjährige Pflanze, die bis zu 1,50 Meter hochwachsen kann. Sie siedelt sich gern an Waldrändern oder lichten Stellen von Laub-, Misch- oder Nadelwäldern an, wobei sie lockere, etwas humusreiche und kalkhaltige Böden bevorzugt. In der Tat ist die Tollkirsche eine sehr giftige Pflanze. Ihr Verzehr kann tödlich sein. Kinder sind auch deshalb besonders gefährdet, weil der Geschmack der Beeren etwas süßlich ist. Für Vögel zum Beispiel ist die Tollkirsche aber nicht gefährlich. Das Gift Atropin verwendeten lange Zeit die Augenärzte zum Erweitern der Pupillen. Die heute dazu angewendeten Arzneien haben aber eine etwas kürzere Wirkdauer. In der Notfallmedizin, wo es bei Kreislaufstillstand eingesetzt wird, ist Atropin unverzichtbar.
Substanz
Atropa Belladonna gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und es gibt einige prominente Vertreter, die sich als homöopathische Mittel zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen vielfach bewährt haben. Dazu gehören u.a. Capsicum, Dulcamara, Hyoscyamus niger, Stramonium oder Nicotiana Tabacum.
Die Staude mit den schwarzen Beeren wächst hauptsächlich an Waldlichtungen in gemäßigten Zonen Europas und den südamerikanischen Anden. Sie blüht von Juni bis August und ist giftig, wobei die giftigsten Teile die Samen, Wurzeln und Blätter sind.
Zu den giftigen Inhaltsstoffen zählen die Alkaloide Hysocyamin und Scopolamin, Atropin und Nicotin. Wobei Nicotin nur in geringen Spuren in der Pflanze vorkommt. In geringen Dosen hat die Pflanze eine eher stimulierende Wirkung, bei höheren Dosen kann es zum Atemstillstand kommen.
Anwendungen außerhalb der Homöopathie
Der Begriff kommt aus der lateinischen Sprache. Atropa bedeutet tödlicher Nachtschatten und geht auf Atropos die griechische Schicksalsgöttin zurück. Die Unvermeidliche, die den Lebensfaden durchschneidet. Belladonna bedeutet schöne Frau und gibt den Hinweis auf den Einsatz des Atropins, welches die Pupillen vergrößert. Heute kennen wir das vom Besuch beim Augenarzt, der eine vergrößerte Pupille zu diagnostischen Zwecken benötigt, früher galten vergrößerte Pupillen als Schönheitsideal.
Wegen der anregenden und teils halluzinogenen Wirkung, wurden Nachtschattengewächse im Mittelalter oft von Hexen verwendet. Die sog. „Flugsalbe“ enthält neben der Tollkirsche auch Bilsenkraut (Hyoscyamus), Stechapfel (Stramonium) und Alraune (Mandragora).
Es wurde weiterhin als beruhigendes Mittel (Sedativum), bei krampfartigen Beschwerden, Asthma und chronischem Husten eingesetzt. Vielfach wurde es auch als Aphrodisiakum (Libido steigerndes Mittel) eingesetzt.
Häufige Fragen zu Atropa Belladonna
Welche Potenz von Belladonna bei Fieber?
In der Selbstanwendung ist D12 die gängigste Wahl, bei milderem Verlauf D6. Traditionell wird im akuten Schub engmaschig gegeben und mit nachlassender Hitze gestreckt. C30 überlassen Anwender eher erfahrenen Behandlern.
Belladonna oder Aconitum – was ist der Unterschied?
Beide sind Mittel des plötzlichen Beginns. Aconitum steht für den Schreck-Beginn nach kaltem Wind, mit großer Angst und trockener Hitze. Belladonna zeigt das vollentwickelte Hitzebild: glühend roter Kopf, kalte Füße, pochende Schmerzen, weite Pupillen.
Ab welchem Alter wird Belladonna gegeben?
Belladonna gehört zu den Mitteln, die in der Kinderheilkunde traditionell in allen Altersstufen eingesetzt werden – bei Säuglingen in Wasser aufgelöst. Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt ohnehin: Fieber gehört untersucht.
Wie schnell wirkt Belladonna?
Anwender berichten bei passendem Bild von einer Veränderung innerhalb der ersten Stunden. Bleibt nach mehreren Gaben alles unverändert, spricht das für ein anderes Mittelbild – etwa Ferrum phosphoricum oder Bryonia.
Ist die Tollkirsche nicht giftig?
Die frische Pflanze ist stark giftig – deshalb wird in der Homöopathie ausschließlich die potenzierte Zubereitung verwendet. In den üblichen Potenzen ab D6 ist keine wirkstoffhaltige Menge mehr enthalten.
Wie lange gibt man Belladonna?
So lange das Hitzebild besteht, meist wenige Tage. Belladonna ist ein Akutmittel des Anfangsstadiums; sobald die Hitze abklingt und Schweiß einsetzt, wird traditionell abgesetzt.
