Mittelbild & Leitsymptome
- Kopfschmerz beginnt mit Flimmern oder Verschwimmen vor den Augen
- Pochender Stirnkopfschmerz mit heftiger Übelkeit bis zum Erbrechen
- Fester Druck und straffes Umbinden des Kopfes werden als wohltuend empfunden
- Beschwerden verstärken sich nach Milch und Milchprodukten
- Hartnäckige Verstopfung mit trockenem, hartem Stuhl
- Ausgeprägtes Frösteln, Betroffene hüllen sich warm ein
Lac defloratum – die entrahmte Kuhmilch – gehört zu den ungewöhnlichsten Arzneien der homöopathischen Arzneimittellehre: Ein alltägliches Lebensmittel wurde hier durch Potenzierung und systematische Prüfung zum Arzneimittel mit eigenem Bild.
Dieses Bild hat zwei Schwerpunkte. Der erste ist der Kopf: pochende Kopfschmerzen und Migräne, die mit Sehstörungen beginnen, von heftiger Übelkeit begleitet werden und die Betroffenen ins dunkle, stille Zimmer zwingen. Der zweite ist die Verdauung mit hartnäckiger Verstopfung – und quer durch beide zieht sich der Milchbezug: Beschwerden, die sich nach Milchgenuss regelmäßig verstärken, und eine deutliche Abneigung gegen Milch. Homöopathen wählen Lac defloratum, wenn diese Zeichen zusammenkommen.
Mittelbild und Leitsymptome
Das Arzneimittelbild von Lac defloratum wurde in den amerikanischen Prüfungen des 19. Jahrhunderts erarbeitet und kreist um Kopf und Verdauung. Die klassische Beschreibung beginnt oft mit den Augen: Vor dem Kopfschmerz verschwimmt das Sehen oder es flimmert, dann setzt ein pochender Schmerz über der Stirn ein, der sich über Stunden steigert. Dazu treten heftige Übelkeit bis zum Erbrechen, große Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusche und das Bedürfnis, sich in einem dunklen, stillen Raum hinzulegen. Fester Druck gegen den Kopf – die aufgelegte Hand, ein straff gebundenes Tuch – wird als wohltuend beschrieben.
Der zweite Strang betrifft die Verdauung: eine träge, hartnäckige Verstopfung mit trockenem, hartem Stuhl, der nur mit Mühe entleert wird, dazu Blähungen und Völlegefühl. Auffällig ist der rote Faden, der beide Bereiche verbindet: Milch. Die Prüfungen und die Praxisliteratur überliefern, dass sich Kopfschmerz, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden nach Milchgenuss regelmäßig verstärken, und viele Betroffene entwickeln eine deutliche Abneigung gegen Milch.
Als Allgemeinzeichen nennt die Materia medica ausgeprägtes Frösteln – die Betroffenen sind verfroren und hüllen sich warm ein – sowie Blässe und eine Erschöpfung, die nach den Kopfschmerzattacken noch eine Weile zurückbleibt.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Lac defloratum traditionell bei Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt: pochende Stirnkopfschmerzen, die mit Sehstörungen beginnen, mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen und die Betroffenen in den dunklen, stillen Raum zwingen. Homöopathen wählen das Mittel besonders dann, wenn die Attacken in wiederkehrenden Abständen auftreten und fester Druck gegen den Kopf als angenehm empfunden wird.
Das zweite überlieferte Feld sind Beschwerden im Zusammenhang mit Milch: Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Kopfschmerz, die sich nach Milch und Milchprodukten regelmäßig verstärken, oft verbunden mit einer ausgesprochenen Abneigung gegen Milch. Die Materia medica beschreibt dieses Muster als Erfahrungsbild aus den Prüfungen, ohne es an eine bestimmte Diagnose zu knüpfen.
Dazu kommt die hartnäckige Verstopfung mit trockenem, hartem Stuhl, wie sie die amerikanischen Prüfungen ausführlich dokumentieren, sowie Erschöpfungszustände mit Frösteln und Blässe, wenn sie gemeinsam mit den übrigen Zeichen des Mittels auftreten.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Milch und Milchprodukte
- – Licht und Lärm
- – Bewegung während der Kopfschmerzattacke
- – kalte Zugluft
- – Schlafmangel
↑ Besserung durch
- + fester Druck gegen den Kopf
- + straffes Umbinden des Kopfes
- + Ruhe im dunklen, stillen Raum
- + Wärme und warmes Einhüllen
Dosierung & Einnahme
D12D30übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für die Selbstanwendung sind bei Lac defloratum die D12 und die D30 gebräuchlich. Üblich sind fünf Globuli – bei der D12 ein- bis zweimal täglich, bei der D30 als einzelne Gabe, die bei Bedarf nach einigen Tagen wiederholt wird.
Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit etwas Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz. Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen arbeitet die Praxisliteratur eher mit einer ruhigen Begleitung über einige Wochen als mit häufigen Gaben während der akuten Attacke.
Bei eintretender Besserung wird die Gabe seltener und dann beendet. Hochpotenzen ab C30 sowie die Mittelwahl bei lange bestehenden, komplexen Beschwerdebildern gehören in die Hand erfahrener Behandler.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild vor allem durch Milch und Milchprodukte ein, außerdem durch Licht, Geräusche und Bewegung während der Kopfschmerzattacke sowie durch kalte Zugluft; auch Schlafmangel wird in der Praxisliteratur genannt.
Besserung beschreibt die Materia medica durch festen Druck gegen den Kopf und straffes Umbinden, durch Ruhe im dunklen, stillen Raum, durch Wärme und warmes Einhüllen sowie durch das Weglassen von Milch. Diese Kombination – Kopfschmerz mit Milchbezug, besser durch Druck und Dunkelheit – ist das Merkmal, an dem Lac defloratum in der klassischen Literatur von anderen Kopfschmerzmitteln unterschieden wird.
Substanz und Hintergrund
Ausgangsstoff ist entrahmte Kuhmilch – Milch, der der Rahm entzogen wurde. Dass ein alltägliches Lebensmittel zum homöopathischen Arzneimittel wird, ist kein Einzelfall: Die sogenannten Lac-Mittel, zu denen auch Lac caninum gehört, wurden im 19. Jahrhundert vor allem in Amerika geprüft und in die Arzneimittellehre aufgenommen.
Lac defloratum geht auf die Arbeit des New Yorker Arztes Samuel Swan zurück, der die Prüfungen in den 1870er-Jahren organisierte. Schon die frühen Protokolle beschreiben die beiden Stränge, die das Mittel bis heute charakterisieren: den periodischen Kopfschmerz mit Übelkeit und die Verdauungszeichen mit dem auffälligen Milchbezug.
Hergestellt wird das Mittel durch stufenweise Verdünnung und Verschüttelung der entrahmten Milch. In den gebräuchlichen Potenzen ab der D12 ist die Ausgangssubstanz rechnerisch kaum noch enthalten; gewählt wird das Mittel über sein Prüfungsbild, nicht über den Milchgehalt.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Lac defloratum – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Nux Vomica
Brechnuss
Nux Vomica (Brechnuss) wird in der Homöopathie traditionell bei Verdauungsbeschwerden nach üppigem Essen oder Genussmitteln sowie bei stressbedingter Reizbarkeit eingesetzt. Auch Erkältungen und katerartige Kopfschmerzen zählen zu den traditionellen Anwendungsgebieten.
VerdauungsbeschwerdenVerstopfungÜbelkeitSodbrennen
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Cocculus
Kockelskörner
Cocculus, gewonnen aus den Kockelskörnern der Indischen Scheinmyrte, wird in der Homöopathie traditionell bei Reisekrankheit mit Übelkeit und Schwindel sowie bei Erschöpfung durch Schlafmangel eingesetzt, etwa bei Jetlag oder nach durchwachten Nächten.
ReisekrankheitÜbelkeitSchwindelSchlafstörungen
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Cyclamen europaeum (Alpenveilchen)
Alpenveilchen
Homöopathische Zubereitung aus dem Alpenveilchen, einem Primelgewächs. Traditionelle Anwendungsgebiete sind Menstruationsbeschwerden, Migräne mit Sehstörungen sowie Erschöpfungszustände.
MenstruationsbeschwerdenMigräneKopfschmerzenSehstörungen
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Natrium Carbonicum (Natriumcarbonat)
Natriumcarbonat (Soda)
Natrium Carbonicum ist ein Mineralsalz, das in der Homöopathie traditionell bei sehr sensiblen, zurückhaltenden Menschen eingesetzt wird. Traditionelle Anwendungsgebiete sind unter anderem Verdauungsschwäche, Kopfschmerzen nach geistiger Anstrengung und Ängstlichkeit.
VerdauungsbeschwerdenBlähungenKopfschmerzenSchwindel
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Lac defloratum
Wobei wird Lac defloratum in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Lac defloratum vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Verstopfung, Blähungen, Beschwerden nach Milchgenuss, Frösteln, Erschöpfung. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Lac defloratum sind üblich?
Für Lac defloratum werden in der Praxis häufig die Potenzen D12, D30 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Lac defloratum?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Lac defloratum zuordnet: Kopfschmerz beginnt mit Flimmern oder Verschwimmen vor den Augen; Pochender Stirnkopfschmerz mit heftiger Übelkeit bis zum Erbrechen; Fester Druck und straffes Umbinden des Kopfes werden als wohltuend empfunden; Beschwerden verstärken sich nach Milch und Milchprodukten; Hartnäckige Verstopfung mit trockenem, hartem Stuhl; Ausgeprägtes Frösteln, Betroffene hüllen sich warm ein.
