Mittelbild & Leitsymptome
- Kalter Schweiß auf der Stirn
- Blasses, eingefallenes Gesicht mit Kreislaufschwäche
- Durchfall mit gleichzeitigem Erbrechen und kolikartigen Bauchschmerzen
- Unstillbarer Durst auf kaltes Wasser trotz Frierens
- Starke Erschöpfung mit rapide absinkender Lebenskraft
- Unruhige, rollende Augenbewegungen
Veratrum Album, ist eine krautartige Pflanze aus der Familie der Germer-Gewächse und wird auch Nieswurz, Lauskraut oder Lauswurz genannt. Es wurde früher als Pfeilgift und Insektizid benutzt und ist extrem giftig! Daher wurde es auch in der Pflanzenheilkunde nicht angewandt.
Symptome
Das Mittel bei rapide absinkender Lebenskraft und totaler Entkräftung / Kollaps
der Patient hat kalten Schweiß auf der Stirn
der Patient hat einen kalten Atem und eine kalte Zunge
dem Patienten mangelt es an Lebenswärme (Verschlechterung durch Kälte)
der Patient hat ein blasses, blaues, eingefallenes Gesicht
der Patient wird im Liegen rot und blass beim Aufstehen
der Patient hat Verlangen nach Sauerem, und unstillbaren Durst auf kaltes Wasser
der Patient friert, will aber trotzdem kaltes trinken
der Patient leidet an Durchfall mit Erbrechen
der Patient leidet unter voluminösem Durchfall (hat kolik-artige, schneidende Bauchschmerzen)
der Patient leidet unter lang-anhaltendem starken Erbrechen
der Patient ist sehr stark erschöpft
der Patient ist völlige entkräftet oder hat einen Kollaps (leidet unter einer Erkrankungen mit rapide absinkender Lebenskraft)
der Patient hat einen unstillbaren Durst auf kaltes Wasser und/oder saure Getränke
der Patient leidet gleichzeitig unter Gastroenteritis mit Erbrechen und Diarrhoe
der Patient leidet an Erbrechen und Diarrhoe (während Menstruation mit Dysmenorrhoe)
der Patient verspürt Verlangen nach kalten Getränken und Obst
Traditionelle Anwendungsgebiete
Anwendungsmöglichkeiten
Veratrum album wirkt auf verschiedene Systeme des Körpers ein. Dazu gehören das Nervensystem, die Verdauungsorgane, das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege. Der Veratrum album Patient zeichnet sich aus durch Übermut und ausgeprägten Ehrgeiz. Weitere Persönlichkeitsmerkmale sind Unruhe bzw. Hyperaktivität. Die Patienten haben Ängste, die vor allem in der Nacht verstärkt auftreten. Sie zeigen oftmals Anzeichen einer Hypochondrie. Zu den körperlichen Symptomen gehören unter anderem starkes Schwitzen. Besonders auffällig ist der kalte Schweiß auf der Stirn. Insgesamt ist er sehr blass und hat mit Kreislaufschwäche und drohendem Kollaps zu kämpfen. Symptome des Verdauungsapparates sind Durchfall und Erbrechen. Oft wird dabei Schleim und Gallenflüssigkeit erbrochen. Diese werden begleitet von einem Kälteschauer, der über den ganzen Körper geht. Typisch für den Veratrum album Patienten sind außerdem die unruhigen, rollenden Augenbewegungen. Die Symptome verbessern sich, wenn der Patient ruhig liegt und bei Wärmezufuhr. Gehen bzw. das Herumgetragen werden bei Kleinkindern, haben ebenfalls einen positiven Effekt. Die Symptome werden verstärkt bei körperlicher Anstrengung. Der Verzehr von kalten Getränken und Obst wirken sich ebenfalls negativ aus. Die Beschwerden treten stärker auf während der Periode sowie beim Stuhlgang und bei feuchter Kälte. Generell wird ein Wetterwechsel nicht gut vertragen.
Verwendungsgebiete von Veratrum Album
akuter Brechdurchfall
Bronchien
Brechdurchfall mit starkem Erbrechen
Schwindel (niedriger Blutdruck und blass kalter Schweiß)
Starker Durchfall (mit Schwächegefühl / Kollaps)
Dysentrie (entzündliche Erkrankung des Dickdarms)
Schwere Pertussis (Keuchhusten)
Schwerer Husten
Magen-Darm-Kanal
Dysmenorrhoe (Prämenstruelle Syndrom = PMS sowie Regelschmerzen)
Erbrechen und Durchfall nach Schreck
Innenohrschwindel bei Kreislaufschwäche
Schwindel mit heftigem grünen Brechdurchfall und Durstgefühl
Durchfall nach Weintrauben Pfirsichen
Kollaps-Zustände/Ohnmacht
Trockene Augen
Hitzekollaps - Kältegefühl und Kalter Schweiß
niedriger Blutdruck mit Kopfschmerzen Schwindel und kaltem Schweiß
Neigung zu allgemeinen tetanischen Krämpfen
Asthma cardiale
Akute Infektionskrankheiten mit Kreislaufschwäche
Schwindel - Schwankschwindel
akute, allgemeine (krampfartige Störung der Motorik)
Depressionen
Quälende Bronchitis
akute Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Schock Kollaps kalter Schweiß)
Gefäßnerven
totale Erschöpfung
Typhöse Darmerkrankungen
Cholera nostras
Schwangerschaftserbrechen
Kreislaufschwäche
Brechdurchfall mit Fieber
Verlangen nach Hering Sardinen
Verstopfung (besonders Babys und Kinder - kalter Schweiß)
Vergiftungs-Schock Kollaps kalter Schweiß blaue Haut
Kinder – Tics
Durchfall mit großer Schwäche Ohnmacht und viel Durst
Stuhlinkontinenz (unbemerkt bei Kollaps oder Schock)
Darm Grippe besonders im Sommer
Adnexe
Lebensmittelvergiftungen mit heftigem Erbrechen
Darmgrippe
Uterus
Darmentzündung
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Körperliche Anstrengung
- – Kalte Getränke und Obst
- – Nasskaltes Wetter
- – Nachts
- – Während der Menstruation
↑ Besserung durch
- + Ruhiges Liegen
- + Wärme
- + Gehen bzw. Herumgetragenwerden bei Kleinkindern
- + Beschäftigung
Verbesserung bei
Bewegung
Beschäftigung
Wärme
hinlegen / Liegen
Verschlimmerung bei
Aufregung
Berührung
geistiger Arbeit
körperlicher Anstrengung
Sekret-Verlust
nassem und kalten Wetter
In der Nacht
Im Herbst
Kalte Getränke
Kälte
Vor der Menstruation
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Homöopathische Mittel können generell in Form von Tropfen, Tabletten und Globuli eingenommen werden. Man unterscheidet im Allgemeinen Niedrig-, Mittel sowie Hochpotenzen voneinander. Für die Selbstbehandlung sind Niedrigpotenzen zu empfehlen, von D6 bis D12 zu empfehlen. Höhere Potenzen, ab D13 bis D29 gehören zu den Mittelpotenzen. Da sie sowohl auf Körper als auch Geist wirken, sollten Mittelpotenzen nur in Absprache mit einem Homöopathen oder einem geschulten Arzt eingenommen werden. Dies gilt ebenfalls für Hochpotenzen ab D30 bzw. C-, LM- sowie M-Potenzen. Um die Aufnahme des Mittels über die Mundschleimhäute nicht zu behindern, sollte ca. 15 Minuten vor und unmittelbar nach der Einnahme auf jegliche Art von Essen und Trinken, hier insbesondere Alkohol sowie Nikotin verzichtet werden. Die Wirkung beeinträchtigen können ebenso Zahnpasta, Minze, Kaugummi und Kaffee. Der Konsum sollte daher auf das Minimum beschränkt werden. Intensive Duftöle sowie Lösungsstoffe sollten ebenfalls vermieden werden. Um mögliche chemische Reaktionen zu vermeiden sollten Tropfen und Globuli nie mit einem Löffel aus Metall verabreicht werden. Empfehlenswert ist hier die Verwendung eines Plastiklöffels. Wurde von einem Schulmediziner ein Medikament verschrieben, darf dieses nicht eigenmächtig abgesetzt werden, um es durch ein homöopathisches Mittel zu ersetzen. Bei einer Selbstbehandlung sollten nie mehrere homöopathische Mittel gleichzeitig ausprobiert werden. Die Neben- bzw. Wechselwirkungen sind für eine nicht-fachkundige Person nicht kalkulierbar.
Einnahmeempfehlung für Erwachsene
Bei der Einnahme von Globuli und Tabletten ist darauf zu achten, dass sie nicht zerkaut bzw. einfach runtergeschluckt werden. Die Wirkung entfaltet sich nur richtig, wenn es über die Mundschleimhäute aufgenommen werden kann, daher sollten sich Globuli und Tabletten im Mund auflösen können. Eine andere Möglichkeit der Einnahme ist die Globuli bzw. Tabletten in Wasser aufzulösen und anschließend zu trinken. Tropfen werden einfach mit Hilfe eines Plastiklöffels eingenommen.
Einnahmeempfehlung für Kinder
Für Säuglinge, bis einschließlich 12 Monaten, ist die Einnahme von einem Globulus ausreichend. Bis zum dritten Lebensjahr können zwei Globuli verabreicht werden. Ältere Kinder können bis zu drei Globuli einnehmen. Bei Säuglingen und Kleinkinder empfiehlt es sich die Globuli in die Wangentasche zu legen, so dass sie von den Mundschleimhäuten absorbiert werden können. Sollen Tropfen verabreicht werden können diese in Wasser gelöst und über eine Pipette in den Mund getropft werden. Die Pipetten sind in Apotheken erhältlich. Als Alternative können die Tropfen ebenso über die Trinkflasche des Kindes verabreicht werden.
Substanz & Hintergrund
Wirkungsweise und Nebenwirkungen
Die Homöopathie soll den Körper dabei unterstützen sich selbst zu heilen. Sie kann sowohl bei akuten als auch chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Die Behandlungsmethoden in der Homöopathie beruhen auf dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip. Es besagt, dass ein Wirkstoff, der in hoher Dosierung die Symptome einer bestimmten Krankheit auslöst, in stark verdünnter Form diese Krankheit auch heilen kann. Dieses Prinzip ist bereits seit der Antike bekannt und wurde schon von Ärzten wie Hippokrates und Paracelsus genutzt. Bei der Einnahme von homöopathischen Mitteln kann es zunächst zu einer Verschlimmerung der Symptome kommen. Hahnemann, der Begründer der klassischen Homöopathie, bezeichnete dieses Phänomen als "Erstverschlimmerung". Es kann unter Umständen auch zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Fiebersymptomen kommen. Dies soll laut Hahnemann ein Zeichen dafür sein, dass die Entgiftungsmechanismen des Körpers zu arbeiten beginnen. Die Erstverschlimmerung sollte jedoch nach wenigen Tagen abklingen und eine Besserung der Ausgangssymptome sollte dann eintreten. Ist dies nicht der Fall muss das Mittel abgesetzt werden.
Hintergrundinformationen
Veratrum album ist der botanische Name des Weißen Germers. Es ist auch unter dem Namen weißer Nieswurz bekannt und gehört zur Familie der Liliengewächse. Die kräftige, aufrecht wachsende Pflanze kann eine Höhe von 50 bis 150 cm erreichen. Sie besitzt gelbgrüne bis weiße Blüten, die in dichten Rispen angeordnet sind. Der Weiße Germer blüht zwischen Juni und August. Die Pflanze ist in den Alpen und Voralpen beheimatet. Bevorzugt wächst sie bei Höhenlagen zwischen 500 bis 2700 m auf kalkhaltigen und nassen Böden. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Steroid-Alkaloide Protoveratrin und Germerin. Das giftige Alkaloid Protoveratrin verringert Blutdruck und Herzfrequenz. Die Wirkstoffe der Pflanze haben außerdem Auswirkungen auf das Nerven- und Verdauungssystem sowie die Atemwege. Mit zunehmender Höhenlage nimmt die Alkaloid Konzentration in den Pflanzen ab. Zur Gewinnung des homöopathischen Mittels Veratrum album wird die Wurzel der Pflanze verwendet, da die Wirkstoffkonzentration am höchsten ist. Hierfür wird die Wurzel getrocknet, zerkleinert und anschließend in Alkohol gelegt.
Als homöopathisch verdünntes Heilmittel ist Veratrum hilfreich gegen Brechdurchfall und Kollaps-Zustände, insbesondere wenn die Haut des Patienten eiskalt ist und und ihm warme Getränke Linderung verschaffen. Diese Menschen haben auch häufig ein Verlangen nach saurem Obst. Vor allem aber ist Veratrum Album ein Hauptmittel bei Cholera.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Veratrum Album (weißer Germer) – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Arsenicum Album
Weißes Arsen
Arsenicum album wird aus stark verdünntem Arsentrioxid (Arsenik) hergestellt. In der Homöopathie wird es traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden wie Brechdurchfall sowie bei Unruhe und Ängstlichkeit mit ausgeprägter Schwäche eingesetzt.
BrechdurchfallDurchfallÜbelkeitErbrechen
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Acidum Phosphoricum
Phosphorsäure
Acidum phosphoricum wird in der Homöopathie traditionell bei Schwäche- und Erschöpfungszuständen eingesetzt, insbesondere nach Kummer, Liebeskummer oder emotionalem Schock. Homöopathen ordnen dem Mittel eine besondere Beziehung zu Gemüt, Nerven und Wirbelsäule zu.
ErschöpfungSchwächezuständeBeschwerden nach KummerLiebeskummer
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Aethusa cynapium
Hundspetersilie
Aethusa cynapium wird aus der giftigen Hundspetersilie gewonnen. In der Homöopathie ist es ein traditionelles Kindermittel bei Milchunverträglichkeit: kennzeichnend sind heftiges Erbrechen geronnener Milch in groben Flocken und tiefe Erschöpfung danach.
MilchunverträglichkeitErbrechenDurchfallVerdauungsbeschwerden bei Säuglingen
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Camphora
Kampfer
Camphora wird aus der Rinde des Kampferbaumes gewonnen, eines in Japan und Südchina heimischen Lorbeergewächses. Traditionelle Anwendungsgebiete in der Homöopathie sind beginnende Erkältungen mit starkem Frieren, Krampfzustände und Kreislaufschwäche.
ErkältungGrippale InfekteFrierenKreislaufschwäche
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Veratrum Album (weißer Germer)
Wobei wird Veratrum Album (weißer Germer) in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Veratrum Album (weißer Germer) vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Brechdurchfall, Durchfall, Erbrechen, Kreislaufschwäche, Erschöpfung, Magen-Darm-Beschwerden, Menstruationsbeschwerden, Ängstlichkeit, Unruhe. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Veratrum Album (weißer Germer) sind üblich?
Für Veratrum Album (weißer Germer) werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Veratrum Album (weißer Germer)?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Veratrum Album (weißer Germer) zuordnet: Kalter Schweiß auf der Stirn; Blasses, eingefallenes Gesicht mit Kreislaufschwäche; Durchfall mit gleichzeitigem Erbrechen und kolikartigen Bauchschmerzen; Unstillbarer Durst auf kaltes Wasser trotz Frierens; Starke Erschöpfung mit rapide absinkender Lebenskraft; Unruhige, rollende Augenbewegungen.
