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Asarum europaeumHaselwurz

Asarum europaeum wird aus der giftigen Haselwurz gewonnen und nur potenziert verwendet. Das Arzneimittelbild zeigt eine überreizte Nervenempfindlichkeit – schon das Kratzen auf Stoff geht durch Mark und Bein – sowie Übelkeit mit Speichelfluss.

ÜberempfindlichkeitÜbelkeitSchwangerschaftsübelkeitErschöpfung

Redaktion GlobuliweltVeröffentlicht Juli 2026 · Überarbeitet Juli 2026

Mittelbild & Leitsymptome

  • Schon das Kratzen von Stoff oder Papier ist unerträglich
  • Gefühl zu schweben, als berührten die Füße den Boden nicht
  • Übelkeit mit Zusammenlaufen von wässrigem Speichel
  • Frostigkeit bis in die Knochen bei kaltem, trockenem Wetter
  • Besserung durch kaltes Abwaschen des Gesichts
  • Zart besaitete, rasch erschöpfte Menschen

Asarum europaeum, die Haselwurz, wächst als unscheinbarer Bodendecker in schattigen Laubwäldern Europas – und trägt eines der eigentümlichsten Arzneimittelbilder der Materia medica. Die Pflanze ist giftig; verwendet wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung.

Im Zentrum steht eine aufs Äußerste gespannte Nervenempfindlichkeit: Schon das Kratzen eines Fingernagels auf Stoff oder das Knistern von Papier geht den Betroffenen durch Mark und Bein. Dazu beschreibt die klassische Literatur Übelkeit mit Zusammenlaufen des Speichels, ein Schwebegefühl des Körpers und Frösteln bei kaltem, trockenem Wetter. Homöopathen wählen Asarum, wenn diese Überreizung der Sinne das Bild bestimmt.

Mittelbild und Leitsymptome

Das auffälligste Zeichen von Asarum europaeum ist eine Überempfindlichkeit des Gehörs, die sich nicht auf Lautstärke bezieht, sondern auf die Art des Geräuschs: Kratzende, schabende Töne – ein Fingernagel auf Leinen, das Knistern von Seidenpapier – sind unerträglich und lösen ein Schaudern aus, das durch den ganzen Körper zieht. Hahnemann selbst hat dieses Zeichen in seiner Prüfung festgehalten, und es gilt bis heute als Schlüssel zum Mittel.

Dazu kommt ein eigentümliches Leibgefühl: die Empfindung zu schweben, als berührten die Füße beim Gehen den Boden nicht, als seien einzelne Körperteile leicht und losgelöst. Die Betroffenen wirken zart besaitet, leicht erschöpft und fröstelig – ein Kältegefühl, das bis in die Knochen zieht, begleitet viele Beschwerden.

Der zweite große Bereich ist die Übelkeit: anhaltend, mit ständigem Zusammenlaufen von wässrigem Speichel im Mund und Widerwillen gegen Essensgerüche. Die klassische Literatur beschreibt diese Übelkeit besonders im Zusammenhang mit der Schwangerschaft – ein Feld, das traditionell in die Begleitung erfahrener Behandler gehört.

Als Kuriosum der Modalitäten gilt die Besserung bei feuchtem Wetter und durch kaltes Abwaschen des Gesichts, während kaltes, trockenes Wetter die Beschwerden verstärkt.

Traditionelle Anwendungsgebiete

Traditionelle Anwendungsgebiete

In der Homöopathie wird Asarum europaeum traditionell bei Zuständen nervöser Überreizung eingesetzt: Geräuschempfindlichkeit, bei der kratzende Töne körperliches Schaudern auslösen, Zartheit und schnelle Erschöpfbarkeit der Sinne, Reizbarkeit nach anstrengenden Phasen mit wenig Schlaf. Homöopathen wählen das Mittel, wenn die Betroffenen wie ohne schützende Haut wirken und sich vor Sinneseindrücken zurückziehen.

Das zweite überlieferte Feld ist die Übelkeit mit Speichelfluss – klassisch beschrieben bei der Schwangerschaftsübelkeit, die in der homöopathischen Tradition aus erfahrener Hand begleitet wird. Auch Übelkeit nervöser Prägung außerhalb der Schwangerschaft, etwa bei Anspannung und Überarbeitung, nennt die Praxisliteratur.

Dazu kommen Frösteln und Kältegefühl bei kaltem, trockenem Wetter, ein benommenes Schwere- oder Schwebegefühl des Kopfes sowie Erschöpfungszustände empfindsamer Menschen. Kennzeichnend für die Mittelwahl bleibt die Kombination aus überreizten Sinnen, Speichelfluss-Übelkeit und der ungewöhnlichen Besserung bei feuchtem Wetter.

Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?

Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.

↓ Verschlimmerung durch

  • kratzende, schabende Geräusche
  • kaltes, trockenes Wetter
  • Aufregung und geistige Anstrengung
  • Essensgerüche bei Übelkeit

↑ Besserung durch

  • + feuchtes, mildes Wetter
  • + kaltes Abwaschen des Gesichts
  • + Ruhe und Stille
  • + frische Luft

Dosierung & Einnahme

D6D12übliche Potenzen

Dosierung und Einnahme

Für die Selbstanwendung bei nervöser Überreizung und Geräuschempfindlichkeit sind die Potenzen D6 und D12 gebräuchlich, üblicherweise fünf Globuli ein- bis zweimal täglich über einen begrenzten Zeitraum. Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz.

In der Schwangerschaft gilt eine eigene Regel: Die Anwendung bei Schwangerschaftsübelkeit gehört in der homöopathischen Tradition von Anfang an in die Hand erfahrener Behandler oder einer homöopathisch arbeitenden Hebamme, die Potenz und Wiederholung festlegen.

Bei eintretender Besserung wird die Gabe seltener und dann beendet. Hochpotenzen ab C30 sind auch außerhalb der Schwangerschaft Sache erfahrener Behandler.

Substanz & Hintergrund

Modalitäten

Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild durch kratzende, schabende Geräusche ein, außerdem bei kaltem, trockenem Wetter, durch Aufregung und geistige Anstrengung sowie – bei der Übelkeit – durch Essensgerüche.

Besserung beschreibt die Materia medica bei feuchtem, mildem Wetter, durch kaltes Abwaschen des Gesichts, in Ruhe und Stille sowie an der frischen Luft. Die Wetter-Modalität gilt als Besonderheit: Während die meisten frösteligen Mittel Feuchtigkeit scheuen, gehört Asarum zu den wenigen, deren Bild sich bei feuchtem Wetter aufhellt.

Substanz und Hintergrund

Ausgangsstoff ist die Haselwurz (Asarum europaeum), ein niedriger, immergrüner Bodendecker mit nierenförmigen, glänzenden Blättern, der in schattigen Laub- und Mischwäldern Europas wächst; die unscheinbaren, glockigen Blüten sitzen versteckt am Boden. Wurzelstock und Blätter enthalten ätherisches Öl mit Asaron. Die Pflanze ist giftig und reizt Magen und Schleimhäute – die Volksmedizin nutzte sie früher als Brech- und Niesmittel, eine Anwendung, die längst verlassen ist.

In der Homöopathie wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung aus dem frischen Wurzelstock verwendet. Hahnemann prüfte Asarum und veröffentlichte das Bild in der Reinen Arzneimittellehre; dort findet sich bereits die berühmte Empfindlichkeit gegen kratzende Geräusche ebenso wie das Schwebegefühl.

Der Name Haselwurz rührt vom bevorzugten Standort unter Haselsträuchern her. Botanisch gehört die Pflanze zur Familie der Osterluzeigewächse.

Ähnliche Mittel im Vergleich

Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Asarum europaeum – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Häufige Fragen zu Asarum europaeum

Wobei wird Asarum europaeum in der Homöopathie traditionell angewendet?

Die homöopathische Tradition ordnet Asarum europaeum vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Geräuschempfindlichkeit, Nervöse Überreizung, Übelkeit, Schwangerschaftsübelkeit, Speichelfluss, Kältegefühl und Frösteln, Erschöpfung, Benommenheit. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Welche Potenzen von Asarum europaeum sind üblich?

Für Asarum europaeum werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.

Was ist das typische Mittelbild von Asarum europaeum?

Typische Leitsymptome, die die Materia medica Asarum europaeum zuordnet: Schon das Kratzen von Stoff oder Papier ist unerträglich; Gefühl zu schweben, als berührten die Füße den Boden nicht; Übelkeit mit Zusammenlaufen von wässrigem Speichel; Frostigkeit bis in die Knochen bei kaltem, trockenem Wetter; Besserung durch kaltes Abwaschen des Gesichts; Zart besaitete, rasch erschöpfte Menschen.