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CinnabarisZinnober

Cinnabaris ist potenzierter Zinnober, eine natürliche Verbindung aus Quecksilber und Schwefel, die ausschließlich in potenzierter Zubereitung verwendet wird. Die Materia medica ordnet dem Mittel Nebenhöhlen-Druck mit Schmerz an der Nasenwurzel und zähem Schleim im Rachen zu.

Mineralogische Illustration von Cinnabaris (Zinnober) – Ausgangssubstanz der homöopathischen Globuli
Cinnabaris – Zinnober: Ausgangs­substanz der homöopathischen Zubereitung

Heiserkeit

Redaktion GlobuliweltVeröffentlicht Juli 2026 · Überarbeitet Juli 2026

Mittelbild & Leitsymptome

  • Druck auf der Nasenwurzel wie von einer schweren Brille
  • Schmerz zieht vom inneren Augenwinkel im Bogen um das Auge
  • Zäher, fadenziehender Schleim läuft den Rachen hinab
  • Ständiges Räuspern bringt nur kurz Erleichterung
  • Druck verstärkt sich beim Bücken und im Liegen

Cinnabaris ist der potenzierte Zinnober – jenes leuchtend rote Mineral, mit dem schon antike Maler und chinesische Lackkünstler arbeiteten. Chemisch ist es eine Verbindung aus Quecksilber und Schwefel; verwendet wird in der Homöopathie ausschließlich die potenzierte Zubereitung.

Das Arzneimittelbild hat einen bemerkenswert präzisen Ort: die Nasenwurzel. Die Materia medica beschreibt einen Druck, als säße dort eine schwere Brille, dazu Schmerzen, die im Bogen um das Auge ziehen, und zähen Schleim, der über die hintere Rachenwand hinabläuft. Homöopathen wählen Cinnabaris traditionell, wenn Nebenhöhlen-Druck mit genau dieser Zeichnung auftritt.

Mittelbild und Leitsymptome

Cinnabaris gehört zu den Mitteln mit einer ungewöhnlich scharf umrissenen Schmerztopographie. Im Mittelpunkt steht die Nasenwurzel: Dort sitzt ein drückendes Schwere- und Spannungsgefühl, das die klassische Literatur mit dem Bild einer schweren Brille beschreibt, deren Steg auf dem Nasenrücken lastet. Der Druck verstärkt sich beim Bücken, beim Kopfschütteln und im Liegen; viele Betroffene fassen sich unwillkürlich immer wieder an die Stelle.

Das zweite Kennzeichen ist der Schmerzverlauf um das Auge: Vom inneren Augenwinkel zieht ein ziehender oder drückender Schmerz im Bogen über die Augenbraue zum äußeren Augenwinkel – die alte Literatur beschreibt ihn, als werde eine Linie um das Auge gezogen. Dieses Zeichen gilt als das unverwechselbarste des Mittels.

Dazu kommt der Rachen: Zäher, dicker, fadenziehender Schleim sammelt sich hinter dem Gaumen und läuft über die hintere Rachenwand hinab. Er zwingt zu ständigem Räuspern und Schlucken, ohne dass der Rachen wirklich frei wird; morgens ist die Ansammlung am stärksten.

Die Nase selbst ist verstopft, das Riechvermögen gedämpft, der Kopf dumpf und schwer. Begleitend nennt die Materia medica gerötete, druckempfindliche Augen und eine Verschlimmerung vieler Beschwerden bei feuchtem Wetter, während Bewegung in frischer Luft als erleichternd überliefert ist.

Traditionelle Anwendungsgebiete

Traditionelle Anwendungsgebiete

In der Homöopathie wird Cinnabaris traditionell bei Druckbeschwerden der Nebenhöhlen eingesetzt: bei Schweregefühl und Schmerz an der Nasenwurzel, über der Stirn und hinter den Augen, wie es nach hartnäckigen Schnupfenverläufen zurückbleiben kann. Die Wahl stützt sich auf die charakteristische Zeichnung – den Brillensteg-Druck auf der Nasenwurzel und den Schmerzbogen um das Auge –, die das Mittel von anderen Nebenhöhlen-Mitteln unterscheidet.

Das zweite überlieferte Feld ist der zähe Schleim im Rachen: die ständig nachlaufende Absonderung über die hintere Rachenwand, verbunden mit Räusperzwang, belegter Stimme am Morgen und dem Gefühl, den Rachen nie ganz frei zu bekommen.

Die Praxisliteratur nennt Cinnabaris außerdem bei verstopfter Nase mit dumpfem Kopf und gedämpftem Riechvermögen, wenn die Beschwerden eher drückend und festsitzend als fließend sind. Homöopathen wählen das Mittel besonders dann, wenn die Schmerzpunkte präzise angegeben werden können und Bewegung an frischer Luft als spürbare Erleichterung beschrieben wird.

Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?

Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.

↓ Verschlimmerung durch

  • Bücken und Kopftieflage
  • Liegen und nachts
  • Berührung der Nasenwurzel
  • feuchtes Wetter

↑ Besserung durch

  • + Bewegung in frischer Luft
  • + aufrechte Haltung
  • + Lösen des zähen Schleims

Dosierung & Einnahme

D6D12übliche Potenzen

Dosierung und Einnahme

Quecksilberverbindungen unterliegen in niedrigen Verdünnungen der Verschreibungspflicht; frei erhältlich ist Cinnabaris erst ab höheren Verdünnungsstufen. Für die Selbstanwendung gebräuchlich sind die D6 und die D12, üblicherweise fünf Globuli ein- bis dreimal täglich über einen begrenzten Zeitraum von ein bis zwei Wochen.

Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit etwas Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz. Bei eintretender Besserung wird die Gabe seltener und dann beendet – ein dauerhaftes Einnehmen ist in der Homöopathie nicht vorgesehen.

Da das Mittel in der klassischen Literatur den tiefer wirkenden Quecksilberarzneien zugerechnet wird, arbeitet die Praxis eher mit überschaubaren Einnahmezeiträumen und Pausen als mit wochenlanger Dauergabe. Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler.

Substanz & Hintergrund

Modalitäten

Verschlimmerung beschreibt die Materia medica beim Bücken und in Kopftieflage, im Liegen und nachts, durch Berührung der Nasenwurzel sowie bei feuchtem Wetter. Auch nach dem Schlaf sind die Ansammlung von Rachenschleim und der dumpfe Kopfdruck am deutlichsten.

Besserung wird durch Bewegung in frischer Luft überliefert, in aufrechter Haltung und nach dem Lösen des zähen Sekrets. Die Kombination – präziser Druckpunkt an der Nasenwurzel, Schmerzbogen um das Auge, besser im Freien – ist das Profil, an dem die klassische Literatur Cinnabaris erkennt.

Substanz und Hintergrund

Ausgangsstoff ist Zinnober, chemisch Quecksilber(II)-sulfid – ein Mineral von leuchtend roter Farbe, das seit der Antike als Pigment begehrt war: in römischen Wandmalereien ebenso wie im chinesischen Schnitzlack. Abgebaut wurde es unter anderem im spanischen Almadén, einer der ältesten Quecksilberlagerstätten der Welt.

Als Quecksilberverbindung ist Zinnober giftig; vor allem beim Erhitzen werden Quecksilberdämpfe frei, und die Bergleute der historischen Zinnobergruben litten unter schweren Vergiftungen. Für die innere Anwendung in stofflicher Form ist die Substanz daher ungeeignet – in der Homöopathie wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung verwendet, hergestellt durch stufenweise Verreibung und anschließende Verdünnung und Verschüttelung. Niedrige Verdünnungsstufen sind in Deutschland verschreibungspflichtig.

In die Arzneimittellehre kam Cinnabaris im 19. Jahrhundert als eine von mehreren geprüften Quecksilberarzneien. Die Literatur, unter anderem bei Boericke, hebt den Bezug zu Nase, Nebenhöhlen und Augenumgebung hervor – mit dem Brillensteg-Druck und dem Schmerzbogen um das Auge als den bekanntesten Zeichen.

Ähnliche Mittel im Vergleich

Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Cinnabaris – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Häufige Fragen zu Cinnabaris

Wobei wird Cinnabaris in der Homöopathie traditionell angewendet?

Die homöopathische Tradition ordnet Cinnabaris vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Nebenhöhlen-Druck, Schmerz an der Nasenwurzel, Zäher Schleim im Rachen, Räusperzwang, Stirnkopfschmerz, Behinderte Nasenatmung. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Welche Potenzen von Cinnabaris sind üblich?

Für Cinnabaris werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.

Was ist das typische Mittelbild von Cinnabaris?

Typische Leitsymptome, die die Materia medica Cinnabaris zuordnet: Druck auf der Nasenwurzel wie von einer schweren Brille; Schmerz zieht vom inneren Augenwinkel im Bogen um das Auge; Zäher, fadenziehender Schleim läuft den Rachen hinab; Ständiges Räuspern bringt nur kurz Erleichterung; Druck verstärkt sich beim Bücken und im Liegen.