Mittelbild & Leitsymptome
- Tagelang kein Stuhldrang, Stuhl hart und knotig wie Murmeln
- Gefühl unvollständiger Entleerung nach dem Stuhlgang
- Trockener Mund und Rachen mit ständigem Leerschlucken
- Zusammenziehendes Gefühl im Hals, wie leicht zugeschnürt
- Heiserkeit mit Räusperzwang, Stimme ermüdet beim Sprechen
Alumen, der Alaun, gehört zu den ältesten Substanzen der Heilkunde: Schon in der Antike wurde das zusammenziehende Doppelsalz geschätzt, vom Färberhandwerk bis zum Rasierstein.
In der homöopathischen Arzneimittellehre steht Alumen für ausgeprägte Trockenheit: trockene Schleimhäute in Mund und Rachen, eine träge Verdauung mit hartem, knotigem Stuhl, der tagelang auf sich warten lässt, und eine Heiserkeit mit ständigem Räusperzwang. Homöopathen wählen das Mittel, wenn diese Trockenheit und Trägheit das Bild bestimmen und alles wie zusammengezogen und verlangsamt wirkt.
Mittelbild und Leitsymptome
Das Arzneimittelbild von Alumen trägt die Handschrift seiner Ausgangssubstanz: Alaun zieht zusammen und trocknet – und genau dieses Doppelzeichen durchzieht die Prüfungssymptome. Die Materia medica beschreibt eine auffallende Trockenheit von Mund und Rachen mit dem ständigen Bedürfnis zu schlucken, dazu ein zusammenziehendes Gefühl im Hals, als sei er leicht zugeschnürt.
Am deutlichsten zeigt sich das Bild an der Verdauung: Die Verstopfung des Mittels gilt in der klassischen Literatur als besonders hartnäckig. Tagelang fehlt jeder Stuhldrang, der Stuhl ist trocken, hart und knotig – die alten Autoren vergleichen ihn mit kleinen Murmeln – und wird nur mit großer Anstrengung entleert. Danach bleibt das Gefühl zurück, der Darm habe sich nicht vollständig geleert. Begleitend nennt die Literatur hämorrhoidale Beschwerden nach dem harten Stuhlgang.
Der dritte Bereich ist die Stimme: Heiserkeit mit trockenem Hals und Räusperzwang; die Stimme ermüdet beim Sprechen und versagt zeitweise. Als Allgemeinzeichen überliefern die Prüfungen ein Schweregefühl in den Gliedern und eine allgemeine Mattigkeit, die zur Trägheit des übrigen Bildes passt.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Alumen traditionell bei Verstopfung eingesetzt: harter, knotiger Stuhl, tagelang fehlender Stuhldrang, mühsame Entleerung und das Gefühl unvollständiger Leerung. Homöopathen wählen das Mittel besonders dann, wenn die Verstopfung mit einer allgemeinen Trockenheit einhergeht – trockener Mund, trockener Rachen, spröde Lippen – und wenn nach dem Stuhlgang hämorrhoidale Beschwerden auftreten.
Das zweite überlieferte Feld sind Hals und Stimme: Heiserkeit mit Räusperzwang und trockenem Kratzen, wie sie nach langem Sprechen, in trockener Heizungsluft und bei Vielrednern auftritt. Auch das zusammenschnürende Gefühl im Hals, das zum häufigen Leerschlucken zwingt, gehört zum überlieferten Bild.
Die Praxisliteratur nennt Alumen außerdem bei einem Trockenheitsgefühl der Schleimhäute insgesamt, wenn Nase, Mund und Rachen gleichzeitig betroffen wirken und Trinken die Trockenheit nur für Augenblicke vertreibt.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Kälte
- – morgens nach dem Aufwachen
- – langes Sprechen
- – trockene Zimmerluft
↑ Besserung durch
- + Wärme
- + warme Getränke
- + mäßige Bewegung
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für die Selbstanwendung sind bei Alumen die D6 und die D12 gebräuchlich. Üblich sind fünf Globuli ein- bis dreimal täglich; bei länger bestehender Verstopfungsneigung arbeitet die Praxisliteratur eher mit einer ruhigen Kur über zwei bis vier Wochen als mit dichter Gabenfolge.
Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit etwas Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz. Ausreichendes Trinken und ballaststoffreiche Kost gehören in der Praxisliteratur selbstverständlich zur Begleitung dazu, ebenso regelmäßige, moderate Bewegung, die gut zum Bild der trägen Verdauung passt.
Bei eintretender Besserung wird die Gabe seltener und dann beendet. Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Die klassische Literatur überliefert für Alumen wenige, aber klare Modalitäten. Verschlimmerung wird durch Kälte beschrieben, außerdem morgens nach dem Aufwachen, durch langes Sprechen – vor allem für die Heiserkeit – und durch trockene Zimmerluft.
Besserung beschreibt die Materia medica durch Wärme und warme Getränke, die dem trockenen Hals wohltun, sowie durch mäßige Bewegung. Das Erkennungsmerkmal bleibt die Verbindung von Trockenheit, Zusammenziehen und Trägheit, die alle Beschwerden des Mittels durchzieht und Alumen von anderen Verstopfungsmitteln der klassischen Literatur unterscheidet.
Substanz und Hintergrund
Alaun ist Kalium-Aluminium-Sulfat, ein kristallines Doppelsalz, das in der Natur vorkommt und seit Jahrtausenden gewonnen wird. Die Antike nutzte es zum Beizen von Farbstoffen, zum Gerben und zum Klären von Wasser; als Rasierstein ist es wegen seiner zusammenziehenden Eigenschaft bis heute in Gebrauch. Diese adstringierende Signatur – zusammenziehen, austrocknen – spiegelt sich auffällig im Arzneimittelbild.
In der Homöopathie wird Alumen durch Verreibung mit Milchzucker und anschließende stufenweise Potenzierung verarbeitet. Das Mittel ist nicht mit Alumina zu verwechseln, der potenzierten Tonerde: Beide Arzneimittelbilder ähneln sich in Trockenheit und Verstopfung, werden in der klassischen Literatur aber als eigenständige Mittel geführt, wobei Alumen das stärker zusammenziehende Gepräge trägt.
Beschrieben wurde Alumen unter anderem in Herings Leitsymptomen und in Allens Enzyklopädie; Boericke fasst das Bild mit der hartnäckigen Verstopfung und der Schleimhaut-Trockenheit zusammen.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Alumen – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Abrotanum
Eberraute
Abrotanum wird aus der Eberraute hergestellt, einer Gewürz- und Heilpflanze aus der Familie der Korbblütler. In der Homöopathie ist es ein traditionelles Mittel bei Abmagerung trotz großen Appetits, Schwäche und geschwollenen Lymphknoten.
AppetitlosigkeitAbmagerungSchwächeLymphknotenschwellungen
Zum Mittel-Profil →
Collinsonia canadensis (Grieswurzel)
Kanadische Grieswurzel
Collinsonia canadensis auf der Basis der kanadischen Grieswurzel (Steinwurzel) wird in der Homöopathie traditionell bei Verstopfung und Hämorrhoiden eingesetzt, etwa während der Schwangerschaft oder nach der Entbindung.
VerstopfungHämorrhoidenBlähungenDarmkrämpfe
Zum Mittel-Profil →
Graphites (Graphit / schwarzer Kohlenstoff)
Graphit
Graphites wird aus Graphit (schwarzem Kohlenstoff) hergestellt. In der Homöopathie wird es traditionell bei Haut- und Nagelproblemen, Ekzemen mit honiggelben Absonderungen sowie bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt.
HautausschlägeEkzemeNeurodermitisSchuppenflechte
Zum Mittel-Profil →
Hydrastis Canadensis (kanadische Gelbwurzel)
Kanadische Gelbwurzel
Hydrastis Canadensis wird aus dem Wurzelstock der Kanadischen Gelbwurzel (Goldsiegel-Wurzel) gewonnen, einer nordamerikanischen Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Homöopathen ordnen dem Mittel vor allem Schleimhautkatarrhe mit dickem, gelblichem Sekret sowie Verdauungsbeschwerden zu.
SchnupfenSchleimhautkatarrhBronchitisMagenschleimhautentzündung (Gastritis)
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Alumen
Wobei wird Alumen in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Alumen vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Verstopfung, Harter Stuhl, Schleimhaut-Trockenheit, Mundtrockenheit, Trockener Rachen, Heiserkeit, Räusperzwang, Hämorrhoiden. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Alumen sind üblich?
Für Alumen werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Alumen?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Alumen zuordnet: Tagelang kein Stuhldrang, Stuhl hart und knotig wie Murmeln; Gefühl unvollständiger Entleerung nach dem Stuhlgang; Trockener Mund und Rachen mit ständigem Leerschlucken; Zusammenziehendes Gefühl im Hals, wie leicht zugeschnürt; Heiserkeit mit Räusperzwang, Stimme ermüdet beim Sprechen.
