Mittelbild & Leitsymptome
- Das ganze Kind riecht sauer, auch nach dem Waschen
- Breiiger, säuerlich riechender Durchfall während der Zahnung
- Kolik mit Schreien und Anziehen der Beine vor dem Stuhlgang
- Kind verlangt Dinge und weist sie sofort wieder zurück
- Milch wird schlecht vertragen, saures Aufstoßen und Spucken
- Weinen verstärkt sich beim Aufdecken und Umziehen
Rheum officinale, der Medizinal-Rhabarber, gehört zu den klassischen Kinderarzneien der Homöopathie. Sein Arzneimittelbild ist an einem einzigen Zeichen fast schon zu erkennen: Alles am Kind riecht sauer – Atem, Schweiß, Stuhl – und der Geruch bleibt selbst nach dem Baden.
Die Materia medica ordnet dem Mittel den säuerlichen Durchfall während der Zahnung zu, begleitet von Bauchkoliken und einer quengeligen Unruhe, bei der das Kind verlangt und zurückweist im selben Atemzug. Homöopathen wählen Rheum, wenn dieser saure Grundton das ganze Bild durchzieht.
Mittelbild und Leitsymptome
Im Mittelpunkt des Arzneimittelbildes steht der saure Geruch. Die klassischen Prüfungen und die Kinderpraxis beschreiben ihn als durchdringend und hartnäckig: Atem, Schweiß und Stuhl riechen säuerlich, und auch gründliches Waschen nimmt dem Kind diesen Geruch nicht. Kent und Boericke heben dieses Zeichen als das eigentliche Erkennungsmerkmal von Rheum hervor.
Dazu tritt ein breiiger, säuerlich riechender Durchfall, der die Haut im Windelbereich rasch wund werden lässt. Vor jeder Entleerung meldet sich eine Kolik: Das Kind schreit auf, zieht die Beine an den Bauch und krümmt sich zusammen; nach dem Stuhlgang kehrt für eine Weile Ruhe ein.
Das Gemütsbild passt zur Zahnungszeit: Das Kind ist unzufrieden und weinerlich, verlangt nach einem Spielzeug und wirft es gleich wieder fort, will hochgenommen und dann wieder abgelegt werden. Nachts schläft es unruhig und wimmert im Schlaf.
Die Materia medica vermerkt außerdem, dass Milch schlecht bekommt und säuerlich wieder aufgestoßen oder erbrochen wird. Auffällig ist schließlich die Empfindlichkeit gegen Entblößen: Beim Aufdecken, Wickeln und Umziehen verstärkt sich das Weinen, warm eingehüllt beruhigt sich das Kind am ehesten.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Rheum traditionell bei Beschwerden der Zahnungszeit eingesetzt, wenn Durchfall, Bauchkolik und Unruhe zusammen auftreten und der säuerliche Geruch das Bild prägt. Der überlieferte Kernbereich ist der Zahnungsdurchfall des Säuglings: breiige, saure Stühle, wunde Haut im Windelbereich, ein quengeliges, unzufriedenes Kind.
Daneben nennt die klassische Literatur Bauchkoliken mit Zusammenkrümmen und Schreien vor dem Stuhlgang sowie säuerliches Aufstoßen und Spucken nach Milchmahlzeiten.
Zur Abgrenzung wird in der Praxisliteratur gern Chamomilla herangezogen: Beide Mittel zeigen das zornig-quengelige Zahnungskind, doch bei Chamomilla ist der Stuhl eher grünlich und das Kind will unablässig getragen werden, während bei Rheum der saure Geruch des ganzen Kindes den Ausschlag gibt. Bei Erwachsenen taucht Rheum seltener auf; genannt werden saures Aufstoßen und Durchfälle mit demselben säuerlichen Charakter, etwa nach unverträglichen Speisen.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – während der Zahnung
- – nach dem Essen, besonders nach Milch
- – Aufdecken, Wickeln und Umziehen
- – abends und nachts
↑ Besserung durch
- + Wärme und warmes Einhüllen
- + Zusammenkrümmen bei Kolik
- + nach dem Stuhlgang
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für Säuglinge und Kleinkinder sind bei Rheum die Tiefpotenzen D6 und D12 gebräuchlich. Üblich sind zwei bis drei Globuli ein- bis dreimal täglich; bei Säuglingen können die Kügelchen in etwas Wasser aufgelöst und teelöffelweise gegeben werden, alternativ lässt man sie in der Wangentasche zergehen.
Die Gabe erfolgt mit etwas Abstand zu den Mahlzeiten. In der akuten Zahnungsphase arbeitet die Praxis mit kurzen Anwendungszeiträumen von wenigen Tagen; sobald sich Stuhl und Stimmung beruhigen, wird die Gabe seltener und dann beendet.
Ein Dauergebrauch ist in der Homöopathie nicht vorgesehen. Auch ältere Kinder und Erwachsene erhalten Rheum in denselben Tiefpotenzen, dann üblicherweise fünf Globuli je Gabe. Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild während der Zahnung ein, außerdem nach dem Essen und besonders nach Milch, beim Aufdecken, Wickeln und Umziehen sowie abends und nachts.
Besserung beschreibt die Materia medica durch Wärme und warmes Einhüllen, durch Zusammenkrümmen während der Kolik und nach dem Stuhlgang, auf den meist eine ruhigere Phase folgt. Der saure Geruch selbst bleibt von alledem unbeeinflusst – gerade diese Beständigkeit macht ihn zum verlässlichen Leitzeichen, an dem Rheum in der klassischen Literatur von anderen Zahnungsmitteln unterschieden wird.
Substanz und Hintergrund
Ausgangsstoff ist die getrocknete Wurzel des Medizinal-Rhabarbers (Rheum officinale, verwandt auch Rheum palmatum), einer stattlichen Staude aus den Hochlagen Chinas und Tibets. Mit dem Garten-Rhabarber der Küche ist die Arzneipflanze nur botanisch verwandt; verwendet wird nicht der Blattstiel, sondern die kräftige, gelb-orange Wurzel.
Rhabarberwurzel ist zugleich eine bekannte Arzneidroge der Pflanzenheilkunde: Ihre Anthranoide machen sie seit Jahrhunderten zum Bestandteil von Abführtees und -präparaten, in China wie in Europa. Pflanzliche Extrakte dieser Art und homöopathische Potenzen sind zwei verschiedene Zubereitungen – die Globuli enthalten die stufenweise verdünnte und verschüttelte Ausgangssubstanz, nicht den abführenden Wurzelextrakt.
In die Homöopathie kam Rheum früh: Hahnemann prüfte die Wurzel selbst und beschrieb bereits die sauren Durchfälle und die Verstimmung der Kinder. Kent und Boericke verdichteten das Bild später auf das Leitzeichen des sauer riechenden Zahnungskindes.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Rheum officinale – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Acidum sulfuricum
Schwefelsäure
Acidum sulfuricum basiert auf der Schwefelsäure. Traditionelle Anwendungsgebiete in der Homöopathie sind brennende Magenbeschwerden mit Sodbrennen, Aphthen im Mund sowie Hitzewallungen — typischerweise bei hektischen, stets eiligen Menschen.
SodbrennenMagenschmerzenSaures AufstoßenAphthen
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Aconitum Napellus
Blauer Eisenhut
Aconitum napellus, der Blaue Eisenhut, wird in der Homöopathie traditionell bei plötzlich und heftig einsetzenden Beschwerden eingesetzt — etwa im Anfangsstadium von Erkältungen und Fieber sowie bei Angst- und Unruhezuständen.
ErkältungenFieberGrippale InfekteTrockener Husten
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Aethusa cynapium
Hundspetersilie
Aethusa cynapium wird aus der giftigen Hundspetersilie gewonnen. In der Homöopathie ist es ein traditionelles Kindermittel bei Milchunverträglichkeit: kennzeichnend sind heftiges Erbrechen geronnener Milch in groben Flocken und tiefe Erschöpfung danach.
MilchunverträglichkeitErbrechenDurchfallVerdauungsbeschwerden bei Säuglingen
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Calcium phosphoricum (Kalziumphosphat)
Kalziumphosphat
Calcium phosphoricum wird aus Kalziumphosphat gewonnen, dem häufigsten Mineralstoff im menschlichen Körper. Homöopathen ordnen dem Mittel vor allem Beschwerden nach geistiger Anstrengung sowie Zahnungs- und Wachstumsprobleme bei Kindern zu.
KopfschmerzenKonzentrationsstörungenErschöpfungZahnungsbeschwerden
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Rheum officinale
Wobei wird Rheum officinale in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Rheum officinale vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Zahnungsbeschwerden, Säuerlich riechender Durchfall, Durchfall bei Säuglingen, Bauchkoliken, Wundsein im Windelbereich, Saures Aufstoßen, Quengelige Unruhe, Säuerliches Spucken nach Milch. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Rheum officinale sind üblich?
Für Rheum officinale werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Rheum officinale?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Rheum officinale zuordnet: Das ganze Kind riecht sauer, auch nach dem Waschen; Breiiger, säuerlich riechender Durchfall während der Zahnung; Kolik mit Schreien und Anziehen der Beine vor dem Stuhlgang; Kind verlangt Dinge und weist sie sofort wieder zurück; Milch wird schlecht vertragen, saures Aufstoßen und Spucken; Weinen verstärkt sich beim Aufdecken und Umziehen.
