Mittelbild & Leitsymptome
- Beine fühlen sich schwer und kraftlos an
- Gang wirkt unsicher, Füße werden schleifend aufgesetzt
- Große Erschöpfung nach fieberhaften Erkrankungen
- Kribbeln und Ameisenlaufen in den Unterschenkeln
- Muskeln der Beine fühlen sich gespannt und steif an
- Zittrigkeit bei geringer Anstrengung
Lathyrus sativus, die Saatplatterbse, ist eine alte Hülsenfrucht, die in Südeuropa, Nordafrika und Indien als Nahrungs- und Futterpflanze angebaut wurde. Ihre Samen sind bei einseitiger, langer Ernährung giftig – ein Zusammenhang, der medizinhistorisch gut dokumentiert ist und der dem homöopathischen Arzneimittelbild seine Richtung gegeben hat.
In der Materia medica steht Lathyrus für Schwäche der Beine: ein Gefühl von Schwere und Kraftlosigkeit in den Unterschenkeln, unsicherer Gang, Zittrigkeit bei geringer Belastung. Homöopathen wählen das Mittel traditionell auch bei ausgeprägter Erschöpfung, die nach fieberhaften Erkrankungen zurückbleibt.
Mittelbild und Leitsymptome
Das Arzneimittelbild von Lathyrus konzentriert sich auf die unteren Gliedmaßen. Die klassische Literatur beschreibt Beine, die sich schwer, steif und kraftlos anfühlen: Das Aufstehen aus dem Sitzen fällt mühsam, Treppensteigen kostet auffallend viel Kraft, die Knie geben ein Gefühl von Unsicherheit. Der Gang wirkt schleppend, die Füße werden eher geschoben als gehoben, die Zehen bleiben leicht am Boden hängen.
Dazu tritt ein Spannungsgefühl in der Beinmuskulatur, vor allem in den Waden und in den Oberschenkelmuskeln, sowie Kribbeln und Ameisenlaufen in den Unterschenkeln und Füßen. Die Muskeln können sich hart und gespannt anfühlen, ohne dass eine Bewegung sie lockert.
Der zweite Strang des Bildes ist eine tiefe, allgemeine Erschöpfung. Boericke verknüpft Lathyrus ausdrücklich mit dem Zustand nach durchgemachten fieberhaften Erkrankungen: Betroffene sind matt, zittrig, brauchen ungewöhnlich lange, um wieder zu Kräften zu kommen, und ermüden bei kleinsten Verrichtungen.
Die Gemütslage ist dabei eher gleichmütig und teilnahmslos als unruhig – die Kraft fehlt auch für Anteilnahme. Der Schlaf bringt keine erkennbare Erholung, und morgens ist die Schwere der Beine am deutlichsten zu spüren.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Lathyrus traditionell bei Erschöpfungszuständen eingesetzt, die nach fieberhaften Infekten wie einer Grippe zurückbleiben, wenn Kraftlosigkeit, Zittrigkeit und eine auffallend lange Erholungszeit im Vordergrund stehen. Auch bei einem Gefühl von Schwere und Schwäche in den Beinen, bei Spannungsgefühl in der Beinmuskulatur, bei Kribbeln in Unterschenkeln und Füßen sowie bei einem unsicheren, mühsamen Gang nennt die Materia medica das Mittel.
Ebenso ordnet die klassische Literatur ihm die Rekonvaleszenz zu – jene Phase, in der ein Infekt überstanden ist, die Kräfte aber noch nicht zurückgekehrt sind.
Die historische Literatur nennt bei Lathyrus außerdem schwere neurologische Krankheitsbilder mit Lähmungen – jene Beobachtungen an Lathyrismus-Erkrankten, aus denen das Arzneimittelbild hervorgegangen ist.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Kälte und Nässe
- – Körperliche Anstrengung
- – Treppensteigen
- – Morgens beim Aufstehen
- – Feuchtes Wetter
↑ Besserung durch
- + Wärme
- + Ruhe und Hochlegen der Beine
- + Langsames Gehen auf ebenem Boden
- + Warme Bäder
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für die Selbstanwendung sind die Tiefpotenzen D6 und D12 gebräuchlich. Üblich sind fünf Globuli der D6 zwei- bis dreimal täglich oder der D12 ein- bis zweimal täglich, meist über einen Zeitraum von wenigen Tagen bis zu zwei Wochen in der Erholungsphase nach einem Infekt. Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit etwas Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz.
Sobald die Kräfte zurückkehren und sich die Beschwerden bessern, wird die Einnahme reduziert und dann beendet. In der Erholungsphase gehören ausreichend Schlaf, Wärme und eine langsame Steigerung der Belastung dazu.
Hochpotenzen ab C30 bleiben erfahrenen Behandlern vorbehalten. Potenzen unterhalb von D6 sind wegen der Giftigkeit der Ausgangssubstanz für die Selbstanwendung nicht geeignet.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild bei Kälte und Nässe ein, durch körperliche Anstrengung, beim Treppensteigen, morgens beim Aufstehen sowie bei feuchtem Wetter. Auch längeres Stehen wird als anstrengend beschrieben.
Besserung beschreibt die Materia medica durch Wärme, durch Ruhe und Hochlegen der Beine, durch warme Bäder sowie beim langsamen Gehen auf ebenem Boden – im Gegensatz zum Treppensteigen oder Gehen auf unebenem Grund, das die Unsicherheit verstärkt.
Charakteristisch ist, dass die Schwäche nicht durch Bewegung nachlässt, wie es bei Steifheitsmitteln der Fall ist, sondern durch Ruhe. Diese Kombination – Schwere in den Beinen, Besserung durch Wärme und Ruhe, ausgeprägte Erschöpfung nach Fieber – bildet in der klassischen Materia medica das Erkennungsmuster von Lathyrus.
Substanz und Hintergrund
Die Saatplatterbse ist ein Schmetterlingsblütler, der als eine der ältesten Kulturpflanzen des Mittelmeerraums gilt. Sie ist ausgesprochen widerstandsfähig gegen Trockenheit und wurde deshalb über Jahrhunderte in Südeuropa, Nordafrika und besonders in Indien als Nahrungs- und Futterpflanze angebaut – vor allem in Notzeiten, wenn andere Ernten ausfielen. Verwendet werden für die homöopathische Zubereitung die Samen, aus denen eine Urtinktur hergestellt und stufenweise potenziert wird.
Die Samen enthalten eine Aminosäureverbindung, die bei einseitiger und über Monate fortgesetzter Ernährung zu schweren Nervenschäden führen kann. Dieses Krankheitsbild ist unter dem Namen Lathyrismus seit der Antike beschrieben und trat historisch in Hungerperioden gehäuft auf. Die Samen sind also in größeren Mengen und bei dauerhaftem Verzehr giftig; in der Homöopathie wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung verwendet.
Genau diese historischen Beobachtungen bildeten die Grundlage für die Aufnahme des Mittels in die Materia medica – Boericke und Allen haben das Bild der schweren, kraftlosen Beine überliefert.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Lathyrus sativus – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Acidum Sarcolacticum
Rechtsdrehende Milchsäure
Acidum sarcolacticum wird aus der rechtsdrehenden Milchsäure gewonnen, die bei intensiver körperlicher Anstrengung in den Muskeln entsteht. In der Homöopathie wird das Mittel traditionell bei Muskelschwäche, Muskelkater und Erschöpfung eingesetzt.
MuskelschwächeMuskelkaterMuskelermüdungSehnenentzündungen
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Angelica archangelica
Echte Engelwurz
Angelica archangelica wird aus der Wurzel der Echten Engelwurz hergestellt, einer alten Pflanze der Klostermedizin. Die Homöopathie setzt das Mittel traditionell bei nervösem Magen, Appetitlosigkeit, Blähungen und Erschöpfung nach überstandener Krankheit ein.
Nervöser MagenAppetitlosigkeitBlähungenVöllegefühl
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China Officinalis
Chinarinde
Chinarinde-Globuli werden in der Homöopathie traditionell bei Erschöpfungszuständen nach Flüssigkeitsverlust eingesetzt, etwa nach Durchfall, starkem Schwitzen oder Blutungen. Weitere traditionelle Anwendungsgebiete sind Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Appetitlosigkeit.
ErschöpfungDurchfallBlähungenErbrechen
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Gelsemium sempervirens
Gelber Jasmin
Gelsemium sempervirens, der Gelbe Jasmin oder Giftjasmin, wird in der Homöopathie traditionell bei Erwartungsangst, Prüfungsangst sowie bei grippalen Infekten mit Schwäche, Zittern und Benommenheit eingesetzt.
ErwartungsangstPrüfungsangstLampenfieberGrippale Infekte
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Lathyrus sativus
Wobei wird Lathyrus sativus in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Lathyrus sativus vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Erschöpfung nach Infekten, Schwächegefühl in den Beinen, Schweregefühl der Glieder, Muskelschwäche, Kraftlosigkeit nach Grippe, Unsicherer Gang, Kribbeln in den Beinen, Rekonvaleszenz, Steifheit der Beinmuskulatur. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Lathyrus sativus sind üblich?
Für Lathyrus sativus werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Lathyrus sativus?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Lathyrus sativus zuordnet: Beine fühlen sich schwer und kraftlos an; Gang wirkt unsicher, Füße werden schleifend aufgesetzt; Große Erschöpfung nach fieberhaften Erkrankungen; Kribbeln und Ameisenlaufen in den Unterschenkeln; Muskeln der Beine fühlen sich gespannt und steif an; Zittrigkeit bei geringer Anstrengung.
