Mittelbild & Leitsymptome
- Plötzliche Schweißausbrüche am ganzen Körper
- Schwitzen und Speichelfluss treten gemeinsam auf
- Gesicht rot und heiß, dann bricht der Schweiß aus
- Schwitzen bei geringster Anstrengung oder Aufregung
- Nach dem Schweißausbruch Durst und Mattigkeit
Jaborandi ist in der Materia medica das Mittel des überströmenden Schwitzens. Gewonnen wird es aus den Blättern eines brasilianischen Strauches, dessen Alkaloid Pilocarpin zu den stärksten bekannten Anregern der Drüsentätigkeit gehört – verwendet wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung.
Das Arzneimittelbild ist ungewöhnlich einheitlich: Schweiß und Speichel fließen gemeinsam und übermäßig, oft in plötzlichen Ausbrüchen mit heißem, gerötetem Gesicht. Homöopathen wählen Jaborandi traditionell, wenn übermäßiges Schwitzen das Bild beherrscht und der begleitende Speichelfluss die Wahl bestätigt.
Mittelbild und Leitsymptome
Im Zentrum des Arzneimittelbildes steht die überschießende Absonderung. Die Prüfungen des 19. Jahrhunderts – Jaborandi wurde nach der Entdeckung des Pilocarpins ausführlich untersucht – beschreiben einen Schweiß, der ohne entsprechende Anstrengung in Strömen fließt: Er beginnt oft am Kopf und im Gesicht, breitet sich über den ganzen Körper aus und durchnässt in kurzer Zeit die Kleidung.
Charakteristisch ist die Verbindung mit dem Speichelfluss: Während der Schweiß ausbricht, füllt sich zugleich der Mund, sodass die Betroffenen häufig schlucken müssen. Diese Gleichzeitigkeit der beiden Absonderungen gilt als das Erkennungszeichen des Mittels.
Dem Ausbruch geht häufig eine Welle von Hitze voraus: Das Gesicht wird rot und heiß, ein Gefühl von Aufsteigen und Enge stellt sich ein, dann bricht der Schweiß aus und hinterlässt Mattigkeit, Durst und ein Bedürfnis nach kühler Luft. Auslöser sind nach der Literatur schon geringe Anstrengung, Aufregung, warme Räume und heiße Getränke.
Auffällig ist schließlich die Erschöpfung nach dem Schwitzen: Die Betroffenen fühlen sich wie ausgelaugt und beginnen zu frösteln, sobald der durchnässte Körper abkühlt – ein Wechsel von Hitze und Frösteln, der in den Prüfungsberichten wiederholt festgehalten ist.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
Die Homöopathie setzt Jaborandi traditionell bei übermäßigem Schwitzen ein: bei plötzlichen Schweißausbrüchen am ganzen Körper, bei Schwitzen unter geringster Anstrengung oder Aufregung und bei nächtlichem Schwitzen, das den Schlaf stört. Auch das lästige Schwitzen der Hände in angespannten Situationen nennt die Praxisliteratur.
Ein klassisch überliefertes Feld sind Hitzewallungen mit Schweißausbruch in den Wechseljahren, wenn heiße Wellen mit Gesichtsröte beginnen und in durchnässenden Schweiß übergehen.
Das entscheidende Wahlkriterium ist die Begleitung durch den Speichelfluss: Homöopathen wählen Jaborandi besonders dann, wenn sich während der Schweißausbrüche zugleich der Mund mit Speichel füllt. Fehlt dieses Zeichen, kommen nach der Literatur eher andere Mittel mit Schweißbezug in Betracht – die Materia medica kennt hier eine ganze Reihe fein unterschiedener Bilder, die sich über Zeitpunkt, Ort und Begleitumstände des Schwitzens bestimmen.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – warme, stickige Räume
- – Aufregung und Anspannung
- – körperliche Anstrengung
- – heiße Getränke und Speisen
↑ Besserung durch
- + kühle, frische Luft
- + Ruhe
- + kühle Waschungen
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für die Selbstanwendung sind bei Jaborandi die D6 und die D12 gebräuchlich, üblicherweise fünf Globuli ein- bis zweimal täglich über einen begrenzten Zeitraum; bei plötzlichen Schweißausbrüchen wird in der Praxisliteratur auch eine Einzelgabe zu Beginn der Hitzewelle beschrieben.
Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz. Viele Anwender halten begleitend in einem kurzen Tagebuch fest, wann und in welchen Situationen die Ausbrüche auftreten – für die Mittelwahl eine wertvolle Grundlage.
Bei eintretender Besserung wird die Gabe seltener und dann beendet. Wegen der stark wirksamen Ausgangssubstanz sind sehr niedrige Verdünnungen nicht für die Selbstanwendung bestimmt; Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild in warmen, stickigen Räumen ein, außerdem durch Aufregung und Anspannung, durch körperliche Anstrengung sowie durch heiße Getränke und Speisen.
Besserung beschreibt die Materia medica an kühler, frischer Luft, durch Ruhe sowie durch kühle Waschungen, die den erhitzten Körper beruhigen. Nach dem Abklingen des Schweißes ist Zugluft unangenehm – der ausgelaugte, feuchte Körper fröstelt leicht. Dieses Nebeneinander von Hitzeempfindlichkeit und anschließender Frostigkeit gehört zum überlieferten Bild.
Substanz und Hintergrund
Ausgangsstoff sind die getrockneten Blätter von Pilocarpus jaborandi, einem Strauch aus der Familie der Rautengewächse, der im Nordosten Brasiliens wächst. Der Name stammt aus der Sprache der Tupi und spielt auf die auffälligste Wirkung der Pflanze an: Das Kauen der Blätter bringt Speichel und Schweiß zum Fließen.
Hauptwirkstoff ist das Alkaloid Pilocarpin, das 1874 isoliert wurde und die Drüsentätigkeit des Körpers stark anregt. Pilocarpin ist ein hochwirksamer und in Überdosierung gefährlicher Stoff: Vergiftungen führen zu sturzartigem Schwitzen und Speichelfluss, verlangsamtem Puls, Übelkeit und Atembeschwerden. Unpotenzierte Zubereitungen der Blätter sind daher für die Selbstanwendung ungeeignet; in der Homöopathie kommt ausschließlich die potenzierte Zubereitung zum Einsatz.
Die homöopathischen Prüfungen des späten 19. Jahrhunderts bestätigten das Bild der überschießenden Absonderungen und machten Jaborandi zu dem Mittel, dessen Kern das gemeinsame Fließen von Schweiß und Speichel ist.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Pilocarpus jaborandi – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Acidum Formicicum
Ameisensäure
Acidum formicicum wird aus Ameisensäure hergestellt und dient in der Homöopathie traditionell als Umstimmungsmittel bei Allergien und chronischen Entzündungen. Typische Merkmale sind stark riechender Nachtschweiß und allgemeine Schlappheit.
AllergienHeuschnupfenHausstauballergieTierhaarallergie
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Acidum sulfuricum
Schwefelsäure
Acidum sulfuricum basiert auf der Schwefelsäure. Traditionelle Anwendungsgebiete in der Homöopathie sind brennende Magenbeschwerden mit Sodbrennen, Aphthen im Mund sowie Hitzewallungen — typischerweise bei hektischen, stets eiligen Menschen.
SodbrennenMagenschmerzenSaures AufstoßenAphthen
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Calcium Carbonicum
Kalziumkarbonat (Austernschalenkalk)
Kalziumkarbonat aus der Austernschale zählt zu den klassischen Konstitutionsmitteln der Homöopathie. Traditionelle Anwendungsgebiete sind unter anderem Mittelohrentzündung, Gelenkschmerzen und Menstruationsbeschwerden, insbesondere bei kälteempfindlichen, schnell erschöpften Menschen.
MittelohrentzündungGelenkschmerzenMenstruationsbeschwerdenKopfschmerzen
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Pilocarpus jaborandi
Wobei wird Pilocarpus jaborandi in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Pilocarpus jaborandi vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Übermäßiges Schwitzen, Schweißausbrüche, Speichelfluss, Schwitzen bei Aufregung, Nachtschweiß, Hitzewallungen mit Schweißausbruch, Handschweiß. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Pilocarpus jaborandi sind üblich?
Für Pilocarpus jaborandi werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Pilocarpus jaborandi?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Pilocarpus jaborandi zuordnet: Plötzliche Schweißausbrüche am ganzen Körper; Schwitzen und Speichelfluss treten gemeinsam auf; Gesicht rot und heiß, dann bricht der Schweiß aus; Schwitzen bei geringster Anstrengung oder Aufregung; Nach dem Schweißausbruch Durst und Mattigkeit.
