Mittelbild & Leitsymptome
- Stuhl schießt wie ein Strahl heraus, plötzlich und wässrig
- Durchfall unmittelbar nach dem Essen oder Trinken
- Kollern und Gluckern im Bauch vor dem Stuhlgang
- Heftiger Juckreiz, Kratzen ist jedoch schmerzhaft
- Bläschen, die nässen und dann verkrusten
- Ziehender Schmerz von der Brustwarze in den Rücken
Croton tiglium, der Purgierkroton, ist ein Wolfsmilchgewächs aus Süd- und Südostasien. Aus seinen Samen wird ein Öl gepresst, das früher als drastisches Abführmittel diente und stark giftig sowie hautreizend ist – in der Homöopathie kommt ausschließlich die potenzierte Zubereitung zum Einsatz.
Das Arzneimittelbild folgt genau den zwei Richtungen, in die die Substanz auch im Rohzustand wirkt: Darm und Haut. Die Materia medica beschreibt einen plötzlichen, wasserdünnen Durchfall, der wie im Strahl herausschießt, häufig unmittelbar nach dem Essen oder Trinken, dazu ein Hautbild mit Bläschen und heftigem Juckreiz, bei dem Kratzen jedoch schmerzt.
Homöopathen wählen Croton tiglium traditionell, wenn diese Plötzlichkeit das gesamte Beschwerdebild prägt.
Mittelbild und Leitsymptome
Das Kennzeichen von Croton tiglium ist die Plötzlichkeit. Die klassische Literatur beschreibt einen Stuhldrang, der überfällt: Kaum ist gegessen oder auch nur ein Schluck Wasser getrunken, beginnt ein Kollern und Gluckern im Bauch, dann folgt ein wasserdünner, gelblicher Stuhl, der in einem Strahl herausschießt. Boericke formuliert diesen Vorgang als eines der markantesten Einzelsymptome der Materia medica. Vor dem Stuhlgang treten kneifende, zusammenziehende Bauchschmerzen auf, nach der Entleerung folgt Erleichterung, oft mit einem Gefühl von Schwäche.
Der zweite Strang ist die Haut. Es bilden sich kleine Bläschen, häufig in Gruppen, die nässen und anschließend verkrusten. Bevorzugte Stellen der klassischen Beschreibung sind das Gesicht, die Genitalregion und der Hodensack sowie die Beugeseiten. Kennzeichnend ist die Kombination aus heftigem Juckreiz und Berührungsschmerz: Betroffene möchten kratzen, aber Kratzen tut weh, sodass sie nur sanft reiben können. Dieses Merkmal gilt als sicherer Hinweis auf das Mittel.
Die beiden Ebenen können abwechseln – lässt der Hautausschlag nach, treten Darmbeschwerden hervor und umgekehrt.
Ein drittes überliefertes Einzelzeichen ist der Schmerz beim Stillen: ein ziehender Schmerz, der von der Brustwarze durch die Brust bis in den Rücken zieht, sobald das Kind saugt.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Croton tiglium traditionell bei plötzlichem, wasserdünnem Durchfall eingesetzt, besonders wenn der Drang unmittelbar nach dem Essen oder Trinken auftritt, der Stuhl im Strahl abgeht und Kollern im Bauch vorausgeht. Auch bei Durchfall in der warmen Jahreszeit und bei Blähungen mit kneifenden Bauchschmerzen nennt die Materia medica das Mittel.
Das zweite traditionelle Feld ist die Haut: nässende, verkrustende Bläschenausschläge mit starkem Juckreiz, bei denen Kratzen schmerzhaft ist, Ekzeme im Genitalbereich und Ausschläge im Gesicht. Homöopathen wählen das Mittel besonders dann, wenn Haut- und Darmbeschwerden bei derselben Person abwechseln.
Als drittes ordnet die klassische Literatur dem Mittel den ziehenden Brustschmerz beim Stillen zu.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Essen und Trinken, selbst Wasser
- – Sommerhitze
- – Nachts
- – Berührung der Haut
- – Waschen mit warmem Wasser
↑ Besserung durch
- + Nach dem Stuhlgang
- + Sanftes Reiben statt Kratzen
- + Ruhe
- + Kühle Anwendungen auf der Haut
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
In der Selbstanwendung kommen die Tiefpotenzen D6 und D12 zum Einsatz. Üblich sind fünf Globuli der D6, bei akutem Durchfall zunächst in Abständen von etwa einer bis zwei Stunden über höchstens einen halben Tag, anschließend zwei- bis dreimal täglich. Kinder erhalten drei Globuli. Potenzen unterhalb von D6 sind wegen der Giftigkeit der Ausgangssubstanz für die Selbstanwendung nicht geeignet.
Die Globuli werden unter der Zunge zergehen gelassen, möglichst nicht direkt zu einer Mahlzeit. Bei Durchfall steht der Ausgleich des Flüssigkeits- und Salzverlusts immer an erster Stelle – dafür sind Trinklösungen aus der Apotheke vorgesehen.
Sobald sich die Beschwerden bessern, werden die Gaben seltener und dann beendet. Hochpotenzen ab C30 bleiben erfahrenen Behandlern vorbehalten.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild durch Essen und Trinken ein – bemerkenswerterweise selbst durch reines Wasser –, außerdem in der Sommerhitze, nachts, durch Berührung der Haut und durch Waschen mit warmem Wasser. Auch Bewegung nach dem Essen und die Zeit am Morgen werden genannt.
Besserung beschreibt die Materia medica nach dem Stuhlgang, durch sanftes Reiben der juckenden Stellen anstelle von Kratzen, durch körperliche Ruhe sowie durch kühle Anwendungen auf der Haut. Dieses Muster – der Wechsel zwischen Haut und Darm, verbunden mit der auffälligen Plötzlichkeit von Stuhldrang und Juckreiz – ist in der klassischen Literatur das entscheidende Erkennungsmerkmal von Croton tiglium.
Substanz und Hintergrund
Croton tiglium ist ein kleiner Baum oder Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse, der in Indien, Sri Lanka und Südostasien heimisch ist. Aus den Samen wird das Krotonöl gepresst, das für die homöopathische Zubereitung als Ausgangsstoff dient und stufenweise potenziert wird.
Das Öl ist stark giftig: Bereits wenige Tropfen wirken drastisch abführend, auf der Haut erzeugt es Rötung, Bläschen und Entzündungen. Im 19. Jahrhundert wurde es in der damaligen Medizin als heftiges Abführmittel und als Hautreizmittel eingesetzt; heute ist es aus der medizinischen Anwendung verschwunden. Die Samen und das Öl dürfen unter keinen Umständen unverdünnt in Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten kommen. In der Homöopathie wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung verwendet.
Genau diese doppelte Reizrichtung – Darm und Haut – findet sich als Grundstruktur im homöopathischen Arzneimittelbild wieder. Beschrieben wurde es von den amerikanischen Homöopathen des 19. Jahrhunderts; Boericke und Allen haben die charakteristischen Zeichen überliefert.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Croton tiglium – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Acidum Formicicum
Ameisensäure
Acidum formicicum wird aus Ameisensäure hergestellt und dient in der Homöopathie traditionell als Umstimmungsmittel bei Allergien und chronischen Entzündungen. Typische Merkmale sind stark riechender Nachtschweiß und allgemeine Schlappheit.
AllergienHeuschnupfenHausstauballergieTierhaarallergie
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Acidum Phosphoricum
Phosphorsäure
Acidum phosphoricum wird in der Homöopathie traditionell bei Schwäche- und Erschöpfungszuständen eingesetzt, insbesondere nach Kummer, Liebeskummer oder emotionalem Schock. Homöopathen ordnen dem Mittel eine besondere Beziehung zu Gemüt, Nerven und Wirbelsäule zu.
ErschöpfungSchwächezuständeBeschwerden nach KummerLiebeskummer
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Aethusa cynapium
Hundspetersilie
Aethusa cynapium wird aus der giftigen Hundspetersilie gewonnen. In der Homöopathie ist es ein traditionelles Kindermittel bei Milchunverträglichkeit: kennzeichnend sind heftiges Erbrechen geronnener Milch in groben Flocken und tiefe Erschöpfung danach.
MilchunverträglichkeitErbrechenDurchfallVerdauungsbeschwerden bei Säuglingen
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Aloe socotrina
Aloe
Aloe socotrina wird aus dem eingedickten Blattsaft der Aloe hergestellt. Die Homöopathie setzt das Mittel traditionell bei Hämorrhoidalbeschwerden, Stauung im Unterleib und einem unsicheren Enddarm ein, bei dem der Stuhldrang kaum zu halten ist.
HämorrhoidenDurchfallStuhldrangBlähungen
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Croton tiglium
Wobei wird Croton tiglium in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Croton tiglium vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Durchfall, Sommerdurchfall, Bauchkrämpfe vor dem Stuhlgang, Blähungen, Juckende Hautausschläge, Bläschenausschläge, Ekzeme im Genitalbereich, Nässende Ausschläge im Gesicht, Brustschmerzen beim Stillen. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Croton tiglium sind üblich?
Für Croton tiglium werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Croton tiglium?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Croton tiglium zuordnet: Stuhl schießt wie ein Strahl heraus, plötzlich und wässrig; Durchfall unmittelbar nach dem Essen oder Trinken; Kollern und Gluckern im Bauch vor dem Stuhlgang; Heftiger Juckreiz, Kratzen ist jedoch schmerzhaft; Bläschen, die nässen und dann verkrusten; Ziehender Schmerz von der Brustwarze in den Rücken.
