Mittelbild & Leitsymptome
- Ausgesprochen launisch, will alles und nichts
- Möchte getragen werden, verträgt aber keine Zärtlichkeit
- Blasses Gesicht mit dunklen Ringen unter den Augen
- Reibt und bohrt ständig an Nase und Augen
- Knirscht im Schlaf mit den Zähnen, schreckt auf
- Großer Hunger trotz Bauchbeschwerden
Cina, im Deutschen Wurmsamen genannt, ist in der homöopathischen Arzneimittellehre vor allem ein Kindermittel. Verwendet werden die noch nicht aufgeblühten Blütenköpfchen des Zitwerbeifußes, die früher unter dem Namen Wurmsamen im Handel waren.
Die klassische Literatur verknüpft Cina traditionell mit Unruhe und Reizbarkeit, die Homöopathen des 19. Jahrhunderts mit Wurmbefall in Verbindung brachten – eine Zuordnung, die aus der historischen Volksmedizin stammt und in den Standardwerken bis heute überliefert wird.
Tragend für die Praxis ist das sehr klar umrissene Gemütsbild, das die Materia medica bei Cina beschreibt: launisch, unzufrieden, empfindlich gegen Berührung.
Mittelbild und Leitsymptome
Das Bild von Cina ist in erster Linie ein Verhaltensbild. Die klassische Literatur beschreibt ein Kind, das mit nichts zufrieden ist: Es verlangt einen Gegenstand und wirft ihn weg, sobald es ihn bekommt; es möchte getragen werden, erträgt aber kein Streicheln und keine Zärtlichkeit. Es ist mürrisch, quengelig, stößt weg, will nicht angesehen und nicht angefasst werden. Kent nennt diese Verbindung von Verlangen und Abwehr als das eigentliche Kennzeichen des Mittels.
Körperlich fällt das blasse, fahle Gesicht mit dunklen Ringen unter den Augen auf; manchmal ist eine Wange rot und die andere blass. Charakteristisch ist das ständige Reiben und Bohren an Nase, Augen und Ohren.
Der Schlaf ist unruhig: Das Kind wirft sich hin und her, schreckt auf, ruft im Schlaf, knirscht mit den Zähnen und schläft am liebsten auf dem Bauch. Dazu tritt Juckreiz am After, der die Unruhe verstärkt.
Der Appetit ist auffällig: Trotz Bauchbeschwerden besteht großer, manchmal unstillbarer Hunger, besonders auf Süßes und Brot, während Süßigkeiten die Beschwerden wiederum verstärken. Bauchschmerzen sitzen meist um den Nabel und werden als kneifend beschrieben. Die klassische Literatur nennt außerdem Zuckungen im Schlaf und einen krampfartigen Husten am Ende des Anfalls.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Cina traditionell bei Unruhe und starker Reizbarkeit von Kindern eingesetzt, wenn das oben beschriebene Verhaltensbild vorliegt: launisch, unzufrieden, will getragen werden, verträgt aber keine Berührung. Auch bei unruhigem Schlaf mit Aufschrecken, Zähneknirschen und Umherwerfen im Bett nennt die Materia medica das Mittel, ebenso bei Juckreiz am After, kneifenden Bauchschmerzen um den Nabel und bei auffallendem Heißhunger.
Historisch stand Cina im Zentrum jener Beschwerden, die Homöopathen und Ärzte des 19. Jahrhunderts mit Wurmbefall in Verbindung brachten – daher der deutsche Name Wurmsamen. Diese Verknüpfung gehört zum überlieferten Bestand der Arzneimittellehre.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Nachts und im Schlaf
- – Berührung und Anfassen
- – Angesehen werden
- – Süßigkeiten
- – Vollmondzeit
↑ Besserung durch
- + Liegen auf dem Bauch
- + Bewegung und Schaukeln
- + Getragen werden ohne Streicheln
- + Kühle, frische Luft
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
In der Selbstanwendung werden bei Cina die Tiefpotenzen D6 und D12 verwendet. Für Kinder sind in der Praxisliteratur drei Globuli üblich, bei der D6 zwei- bis dreimal täglich, bei der D12 ein- bis zweimal täglich. Säuglingen und kleinen Kindern werden die Globuli in etwas abgekochtem Wasser aufgelöst und mit einem Plastiklöffel gegeben; ältere Kinder lassen sie unter der Zunge zergehen.
Die Einnahme erfolgt möglichst mit etwas Abstand zu Mahlzeiten. Sobald sich Unruhe und Reizbarkeit bessern, wird die Gabe seltener und dann beendet – ein Weitergeben über die Besserung hinaus ist in der Homöopathie nicht vorgesehen.
Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler, gerade bei kleinen Kindern.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild nachts und im Schlaf ein, durch Berührung und Anfassen, durch Angesehen-Werden, nach dem Verzehr von Süßigkeiten sowie – als klassische Beobachtung der alten Literatur – um die Zeit des Vollmonds. Auch Sommerhitze wird als verschlimmernd genannt.
Besserung beschreibt die Materia medica beim Liegen auf dem Bauch, durch Bewegung, Schaukeln und Getragen-Werden, sofern dabei nicht gestreichelt wird, sowie in kühler, frischer Luft. Das Zusammenspiel dieser Modalitäten mit dem widersprüchlichen Verhalten – Nähe fordern und Nähe abwehren – ist in der klassischen Materia medica das entscheidende Erkennungsmerkmal von Cina.
Substanz und Hintergrund
Ausgangsstoff für Cina sind die noch geschlossenen Blütenköpfchen des Zitwerbeifußes (Artemisia cina), eines Korbblütlers aus den Steppen Zentralasiens. Die getrockneten Köpfchen kamen jahrhundertelang unter dem Namen Wurmsamen oder Levantinischer Wurmsame über die Handelswege des Nahen Ostens nach Europa. Für die homöopathische Zubereitung wird daraus eine Urtinktur hergestellt und stufenweise potenziert.
Die Pflanze enthält Santonin, einen Bitterstoff, der im 19. Jahrhundert als Wurmmittel in der Schulmedizin gebräuchlich war, in größeren Mengen jedoch giftig wirkt und deshalb längst aus dem Gebrauch verschwunden ist. In der Homöopathie kommt ausschließlich die potenzierte Zubereitung zum Einsatz.
Hahnemann nahm Cina in seine Reine Arzneimittellehre auf; das charakteristische Gemütsbild des launischen, berührungsempfindlichen Kindes wurde von Kent und Boericke weiter ausgearbeitet und gehört seither zu den am klarsten beschriebenen Kinderbildern der Materia medica.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Cina – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Artemisia absinthium
Wermut
Absinthium wird aus dem blühenden Kraut des Wermuts hergestellt und kommt ausschließlich potenziert zum Einsatz. Die Homöopathie setzt das Mittel traditionell bei nervöser Unruhe mit Zittern der Hände sowie bei Verdauungsschwäche mit Appetitlosigkeit und Völlegefühl ein.
Nervöse UnruheZitternSchreckhaftigkeitVergesslichkeit
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Caladium seguinum
Schweigrohr
Caladium seguinum wird aus dem frischen Kraut des giftigen Schweigrohrs gewonnen und nur potenziert verwendet. Die Homöopathie setzt das Mittel traditionell bei heftigem Juckreiz nach Mückenstichen ein; die Prüfungen überliefern zudem eine aufkommende Abneigung gegen Tabak.
JuckreizMückensticheInsektensticheJuckreiz im Intimbereich
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Iodiumpurum
Jod
Iodiumpurum wird aus reinem Jod hergestellt. Homöopathen ordnen dem Mittel vor allem Beschwerden von Stoffwechsel, Drüsen und Lymphsystem zu, etwa Drüsenschwellungen, innere Unruhe und ein andauerndes Hitzegefühl.
DrüsenschwellungenSchilddrüsenfehlfunktionInnere UnruheFließschnupfen
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Jodum
Jod
Jodum wird aus dem Element Jod hergestellt, das früher aus der Asche von Meeresalgen gewonnen wurde. Die Materia medica ordnet dem Mittel Abmagerung trotz großem Appetit, innere Hast und eine ausgeprägte Unverträglichkeit von Wärme zu.
Innere UnruheHitzeunverträglichkeitHeißhungerGewichtsabnahme trotz gutem Appetit
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Cina
Wobei wird Cina in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Cina vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Reizbarkeit bei Kindern, Unruhiger Schlaf, Zähneknirschen im Schlaf, Juckreiz am After, Nasenbohren und Nasenreiben, Heißhunger, Bauchschmerzen um den Nabel, Blasse Haut mit Ringen unter den Augen, Nächtliches Aufschrecken, Launenhaftigkeit. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Cina sind üblich?
Für Cina werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Cina?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Cina zuordnet: Ausgesprochen launisch, will alles und nichts; Möchte getragen werden, verträgt aber keine Zärtlichkeit; Blasses Gesicht mit dunklen Ringen unter den Augen; Reibt und bohrt ständig an Nase und Augen; Knirscht im Schlaf mit den Zähnen, schreckt auf; Großer Hunger trotz Bauchbeschwerden.
