Mittelbild & Leitsymptome
- Druck und Völle im rechten Oberbauch nach fettem Essen
- Fette und üppige Speisen werden schlecht vertragen
- Bitterer Mundgeschmack am Morgen
- Empfindlichkeit der Lebergegend gegen Druck und Erschütterung
- Müde Trägheit nach den Mahlzeiten
Cholesterinum nimmt eine Zwischenstellung ein: Ausgangsstoff ist keine Pflanze und kein Erreger, sondern Cholesterin – eine körpereigene Substanz, die zu den Bausteinen von Zellwänden und Gallenflüssigkeit gehört und historisch zuerst aus Gallensteinen isoliert wurde.
Die ältere homöopathische Literatur, vor allem bei Clarke und Boericke, ordnet dem potenzierten Cholesterin Leber-Galle-Themen zu: Druck und Völlegefühl im rechten Oberbauch, Unverträglichkeit fetter Speisen und träge Mattigkeit nach dem Essen. Wie die Nosoden gilt Cholesterinum als Mittel der erfahrenen Hand, das meist innerhalb eines größeren Behandlungskonzepts verordnet wird – mit den Blutfettwerten des Laborbefunds verbindet die seriöse Literatur die Arznei ausdrücklich nicht.
Mittelbild und Leitsymptome
Cholesterinum gehört zu den kleinen Mitteln der Arzneimittellehre: Es gibt keine große Prüfung, das Bild stützt sich auf die Beobachtungen der älteren Autoren, vor allem auf John Henry Clarke, der das Mittel in seinem „Dictionary of Practical Materia Medica“ beschreibt, und auf Boerickes Handbuch. Beide ordnen Cholesterinum dem Leber-Galle-Bereich zu.
Im Zentrum steht ein Druck- und Völlegefühl im rechten Oberbauch, unter dem Rippenbogen, das nach fetten, üppigen Mahlzeiten deutlich zunimmt. Die Lebergegend wird als empfindlich gegen Druck, Rütteln und Erschütterung beschrieben – etwa beim Fahren auf unebener Straße. Dazu treten Blähungen, Aufstoßen und ein bitterer Mundgeschmack, besonders am Morgen.
Das Allgemeinbild ist von Trägheit geprägt: Nach den Mahlzeiten stellt sich eine müde Schwere ein, die Verdauung wirkt langsam, schwere Kost liegt lange im Magen. Manche Autoren erwähnen zudem eine gedrückte, missmutige Stimmung, solange die Verdauungsbeschwerden bestehen.
Erfahrene Homöopathen wählen Cholesterinum, wenn dieses eng umschriebene Bild – rechter Oberbauch, Fettunverträglichkeit, Trägheit – über längere Zeit besteht und sich mit den gängigen Verdauungsmitteln der Materia medica nicht ausreichend abbilden lässt. Als potenzierte Körpersubstanz wird es dabei traditionell zurückhaltend und gezielt eingesetzt.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
Die ältere Literatur nennt Cholesterinum bei Beschwerden des Leber-Galle-Bereichs: Druck und Völlegefühl unter dem rechten Rippenbogen, Unverträglichkeit fetter und üppiger Speisen, Blähungen und Aufstoßen nach dem Essen sowie träge Verdauung mit bitterem Morgengeschmack. Clarke beschreibt das Mittel bei Empfindlichkeit der Lebergegend und bei Beschwerden, die von den Gallenwegen auszugehen scheinen.
Homöopathen wählen die Arznei traditionell, wenn diese Zeichen dauerhaft wiederkehren und mit einem insgesamt trägen, schweren Allgemeingefühl einhergehen – typischerweise bei Menschen, die üppiges Essen früher gut vertragen haben und nun zunehmend empfindlich reagieren.
Nicht zum überlieferten Einsatzgebiet gehört dagegen der Laborwert: Die Verordnung richtet sich nach dem beschriebenen Beschwerdebild, nicht nach dem Cholesterinspiegel, und die seriöse Praxisliteratur verbindet mit der Arznei keine Aussagen über Blutfette. Erhöhte Werte sind ein eigenes, ärztlich begleitetes Thema neben der homöopathischen Behandlung.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – fettes, üppiges Essen
- – Alkohol
- – Erschütterung und Rütteln
- – abends nach schwerer Kost
↑ Besserung durch
- + leichte, fettarme Kost
- + Wärme auf dem Oberbauch
- + Ruhe nach dem Essen
- + mäßige Bewegung an der Luft
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Cholesterinum wird in der Literatur überwiegend in Tiefpotenzen genannt; gebräuchlich sind D6 und D12. Die Verordnung liegt klassisch bei erfahrenen Homöopathen, die das Mittel gezielt in ein Behandlungskonzept einsetzen – üblich sind fünf Globuli ein- bis zweimal täglich über einen begrenzten Zeitraum, mit anschließender Beobachtung des Verlaufs.
Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz. Bei eintretender Besserung wird die Gabe seltener und dann beendet; eine Daueranwendung über Monate ist nicht vorgesehen. Da das Mittel zu den wenig geprüften Arzneien gehört, stützt sich die sinnvolle Anwendung besonders auf die genaue Übereinstimmung mit dem beschriebenen Bild – eine Einschätzung, die am ehesten in einer homöopathischen Praxis gelingt.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung beschreiben die alten Beobachtungen durch fettes, üppiges Essen und durch Alkohol, durch Erschütterung und Rütteln – die Lebergegend verträgt kein Stoßen – sowie abends nach schwerer Kost, wenn Völle und Trägheit am deutlichsten hervortreten.
Besserung wird durch leichte, fettarme Kost beobachtet, durch Wärme auf dem Oberbauch, Ruhe nach dem Essen und mäßige Bewegung an der frischen Luft. Die Kombination aus rechtsseitigem Oberbauchdruck, Fettunverträglichkeit und Berührungsempfindlichkeit der Lebergegend ist das Merkmal, an dem die ältere Literatur das Mittel festmacht.
Substanz und Hintergrund
Cholesterin ist ein Baustein des Körpers: Bestandteil aller Zellmembranen, Ausgangsstoff für Gallensäuren und Hormone. Der Chemiker Michel Eugène Chevreul isolierte die Substanz Anfang des 19. Jahrhunderts aus Gallensteinen und gab ihr den Namen – von griechisch chole (Galle) und stereos (fest).
Für die homöopathische Arznei wird gereinigtes Cholesterin in stufenweiser Verdünnung und Verschüttelung potenziert; verwendet wird ausschließlich diese Zubereitung. Als Potenzierung einer körpereigenen Substanz steht Cholesterinum den Sarkoden nahe und wird in der Praxis der Nosoden- und Sarkodentherapie zugerechnet, die traditionell als Feld erfahrener Verordner gilt.
In die Literatur kam das Mittel um die Wende zum 20. Jahrhundert; Clarke und Boericke führen es mit dem Bild der empfindlichen Lebergegend und der Fettunverträglichkeit auf, das bis heute die Grundlage der Verordnung bildet.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Cholesterinum – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Chelidonium majus
Schöllkraut
Chelidonium majus wird aus dem blühenden Schöllkraut mit seinem orangegelben Milchsaft gewonnen. Die Materia medica ordnet dem Mittel vor allem rechtsseitige Beschwerden im Bereich von Leber und Galle sowie träge Verdauung zu.
GallenbeschwerdenLeberbeschwerdenVöllegefühlVerdauungsstörungen
Zum Mittel-Profil →Juglans regia
Walnuss
Juglans regia wird aus den frischen grünen Fruchtschalen und Blättern des Walnussbaums hergestellt. Die Homöopathie setzt das Mittel traditionell bei Hautunreinheiten mit Leber-Bezug ein, verbunden mit Blähungen, Völlegefühl und bitterem Morgengeschmack.
HautunreinheitenAkneMitesserBlähungen
Zum Mittel-Profil →Quercus e glandibus
Eichel-Auszug
Quercus e glandibus wird aus den Eicheln der Stieleiche gewonnen und geht auf den Homöopathen James Compton Burnett zurück. Die Überlieferung ordnet dem Mittel ein Völle- und Druckgefühl im linken Oberbauch, träge Verdauung und eine alte, zäh nachhängende Erschöpfung zu.
Völlegefühl im OberbauchDruckgefühl in der MilzgegendBlähungenTräge Verdauung
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Cholesterinum
Wobei wird Cholesterinum in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Cholesterinum vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Völlegefühl im Oberbauch, Druck unter dem rechten Rippenbogen, Fettunverträglichkeit, Blähungen nach üppigem Essen, Trägheit nach den Mahlzeiten, Bitterer Mundgeschmack. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Cholesterinum sind üblich?
Für Cholesterinum werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Cholesterinum?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Cholesterinum zuordnet: Druck und Völle im rechten Oberbauch nach fettem Essen; Fette und üppige Speisen werden schlecht vertragen; Bitterer Mundgeschmack am Morgen; Empfindlichkeit der Lebergegend gegen Druck und Erschütterung; Müde Trägheit nach den Mahlzeiten.