Mittelbild & Leitsymptome
- Schwindel beim Drehen des Kopfes, der Boden scheint zu schwanken
- Dumpfer Druck im Hinterkopf mit Sausen in den Ohren
- Reißende Gelenkschmerzen, die von Ort zu Ort wechseln
- Ischiasschmerz zieht vom Kreuz ins Bein, nachts stärker
- Beschwerden kündigen den Wetterwechsel an
- Kalte Füße und ausgeprägte Empfindlichkeit gegen feuchte Kälte
Viscum album ist in der homöopathischen Arzneimittellehre das Mittel des kopfbewegungsabhängigen Schwindels. Ausgangsstoff ist die Weiße Mistel, ein Halbschmarotzer, der als kugeliger Busch in Baumkronen sitzt und grün bleibt, wenn der Wirtsbaum längst kahl steht – verwendet wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung.
Das Arzneimittelbild hat zwei klare Stränge – der eine ist Schwindel: beim Drehen des Kopfes, beim Bücken, beim raschen Aufstehen, dazu ein dumpfer Druck im Hinterkopf und ein Sausen in den Ohren. Der andere sind reißende, wandernde Schmerzen in Gelenken und Nerven, die bei feuchter Kälte deutlicher werden und nachts im Bett zunehmen.
Homöopathen wählen Viscum album traditionell, wenn beides bei demselben Menschen auftritt und die Beschwerden dem Wetter folgen.
Mittelbild und Leitsymptome
Viscum album ist in der Materia medica ein Mittel des Schwindels und der wandernden Schmerzen. Kennzeichnend ist ein Schwindel, der beim Drehen des Kopfes, beim Bücken und beim Aufstehen aus dem Sitzen auftritt: Der Boden scheint zu schwanken, die Betroffenen halten sich fest und bewegen den Kopf danach vorsichtig und langsam. Dazu gehören ein dumpfer Druck im Hinterkopf, der in den Nacken zieht, und ein Sausen oder Rauschen in den Ohren.
Der zweite Strang betrifft Gelenke und Nerven: reißende, ziehende Schmerzen, die von Ort zu Ort wechseln, häufig in Schultern, Hüften und Knien, nachts im warmen Bett stärker und bei feuchtkaltem Wetter deutlicher. Die klassische Literatur nennt besonders den Ischiasschmerz, der vom Kreuz über die Hinterseite des Beines zieht, sowie ziehende Nervenschmerzen im Gesicht.
Als allgemeine Zeichen überliefert die Praxisliteratur eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegen feuchte Kälte mit kalten Füßen, Mattigkeit am Morgen und eine auffällige Wetterfühligkeit: Schwindel und Gliederschmerzen kündigen den Wetterwechsel an.
Homöopathen wählen Viscum album, wenn Schwindel bei Kopfbewegung, Ohrensausen und wandernde reißende Schmerzen bei demselben Menschen zusammentreffen.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
Die Homöopathie setzt Viscum album traditionell bei Schwindel ein, der an Kopfbewegungen gebunden ist: beim Drehen des Kopfes, beim Bücken, beim raschen Aufstehen, oft mit Ohrensausen und einem Druckgefühl im Hinterkopf. Genannt werden ebenso Kreislaufbeschwerden mit Schwindelneigung, kalten Füßen und Mattigkeit am Morgen sowie Beschwerden in den Wechseljahren, wenn Schwindel und Hitzegefühl einander abwechseln.
Das zweite überlieferte Feld sind rheumatische Beschwerden: reißende, wandernde Schmerzen in Schultern, Hüften, Knien und Handgelenken, Steifheit nach Ruhe und deutliche Verschlechterung bei feuchtkaltem Wetter. Auch der ziehende Ischiasschmerz und Nervenschmerzen im Gesicht gehören in der klassischen Literatur zum Bild dieses Mittels.
Homöopathen wählen Viscum album besonders dann, wenn die Wetterfühligkeit auffällt: Schwindel und Gliederschmerzen kündigen den Wetterwechsel an, feuchte Kälte verstärkt beides, trockene Wärme und ruhige Bewegung im Freien lassen es zurücktreten.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Drehen und Neigen des Kopfes
- – Bücken und rasches Aufstehen
- – feuchte Kälte und Wetterwechsel
- – nachts im warmen Bett
- – längeres Sitzen
↑ Besserung durch
- + ruhige, gleichmäßige Bewegung im Freien
- + trockene Wärme auf den Gelenken
- + langsames Aufstehen
- + erhöhte Kopflage
- + stabile, trockene Wetterlage
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für die Anwendung sind bei Viscum album die D6 und die D12 gebräuchlich, üblicherweise fünf Globuli ein- bis dreimal täglich über einen begrenzten Zeitraum von wenigen Wochen. Bei wetterabhängigen Gelenkbeschwerden arbeitet die Praxisliteratur mit ruhigen Kuren über zwei bis vier Wochen, bei Schwindelneigung eher mit einzelnen Gaben nach Bedarf.
Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit Abstand zu Mahlzeiten, Kaffee und Pfefferminz. Sobald sich das Befinden beruhigt, wird die Gabe seltener und dann beendet.
Urtinktur und Zubereitungen aus frischen Pflanzenteilen gehören wegen des Giftgehalts der Mistel nicht in die Selbstanwendung; verordnete Blutdruck- oder Herzmedikamente bleiben unverändert. Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild beim Drehen und Neigen des Kopfes ein, beim Bücken und raschen Aufstehen, in feuchter Kälte und bei Wetterwechsel, nachts im warmen Bett – dort besonders die Gelenkschmerzen – und nach längerem Sitzen.
Besserung beschreibt die Materia medica bei ruhiger, gleichmäßiger Bewegung im Freien, durch trockene Wärme auf den schmerzenden Gelenken, bei langsamem Aufstehen und erhöhter Kopflage sowie in stabiler, trockener Wetterlage. Die Verbindung von Schwindel bei Kopfbewegung und wandernden reißenden Schmerzen ist das Merkmal, an dem die klassische Literatur Viscum album beschreibt.
Substanz und Hintergrund
Ausgangsstoff sind die frischen Blätter, Zweigspitzen und Beeren der Weißen Mistel, Viscum album – eines Halbschmarotzers, der als kugeliger Busch in den Kronen von Laubbäumen, Tannen und Kiefern sitzt. Über Senkerwurzeln nimmt sie Wasser und Nährsalze aus dem Wirtsast, betreibt aber mit ihren immergrünen Blättern eigene Photosynthese. Die klebrigen weißen Beeren werden von Vögeln verbreitet, allen voran von der Misteldrossel.
Beeren und Blätter sind für den Menschen giftig; in der Homöopathie wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung verwendet. Pflanzliche Mistelzubereitungen der Kräutertradition, etwa Kaltauszüge des getrockneten Krauts, und homöopathische Potenzen sind zwei verschiedene Zubereitungen mit eigener Anwendungslogik.
Kulturgeschichtlich ist die Mistel seit der Antike auffällig: Sie bleibt grün, wenn ihr Wirtsbaum kahl steht, galt den Kelten als besondere Pflanze und lebt im winterlichen Mistelzweig-Brauch fort. In die homöopathische Arzneimittellehre kam Viscum album im 19. Jahrhundert; Boericke beschreibt vor allem den Schwindel bei Kopfbewegung und die reißenden Gelenkschmerzen.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Viscum album – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

China Officinalis
Chinarinde
Chinarinde-Globuli werden in der Homöopathie traditionell bei Erschöpfungszuständen nach Flüssigkeitsverlust eingesetzt, etwa nach Durchfall, starkem Schwitzen oder Blutungen. Weitere traditionelle Anwendungsgebiete sind Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Appetitlosigkeit.
ErschöpfungDurchfallBlähungenErbrechen
Zum Mittel-Profil →Cortisonum
Potenziertes Cortison
Cortisonum ist die potenzierte Zubereitung des Nebennierenrinden-Hormons Cortison und zählt zu den Sarkoden. Die Praxisliteratur beschreibt ein konstitutionelles Ausgleichsmittel erfahrener Homöopathen bei wechselhaften Haut-, Gelenk- und Erschöpfungsbildern.
Konstitutionelle BegleitungEkzemneigungAllergische NeigungJuckreiz
Zum Mittel-Profil →
Formica rufa
Rote Waldameise
Formica rufa wird aus der Roten Waldameise gewonnen, deren Sekret Ameisensäure enthält. Die homöopathische Arzneimittellehre ordnet dem Mittel rheumatische Beschwerden mit plötzlich auftretenden, wandernden Gelenkschmerzen zu.
Rheumatische BeschwerdenGelenkschmerzenGelenksteifigkeitMuskelsteifigkeit
Zum Mittel-Profil →
Salix alba
Silberweide
Salix alba wird aus der Rinde der Silberweide hergestellt, eines seit der Antike geschätzten Heilbaums der Flussufer. Die Homöopathie setzt das Mittel traditionell bei rheumatischen Beschwerden, Gliederschmerzen bei Wetterwechsel und dumpfen Kopfschmerzen ein.
Rheumatische BeschwerdenGliederschmerzenWetterfühligkeitKopfschmerzen
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Viscum album
Wobei wird Viscum album in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Viscum album vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Schwindel beim Drehen des Kopfes, Schwindel beim Bücken und Aufstehen, Kreislaufbeschwerden mit Mattigkeit, Ohrensausen, Druck im Hinterkopf, Wandernde Gelenkschmerzen, Rheumatische Beschwerden, Ischiasschmerz, Nervenschmerzen im Gesicht, Wetterfühligkeit, Kalte Füße, Wechseljahresbeschwerden mit Schwindel. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Viscum album sind üblich?
Für Viscum album werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Viscum album?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Viscum album zuordnet: Schwindel beim Drehen des Kopfes, der Boden scheint zu schwanken; Dumpfer Druck im Hinterkopf mit Sausen in den Ohren; Reißende Gelenkschmerzen, die von Ort zu Ort wechseln; Ischiasschmerz zieht vom Kreuz ins Bein, nachts stärker; Beschwerden kündigen den Wetterwechsel an; Kalte Füße und ausgeprägte Empfindlichkeit gegen feuchte Kälte.