Globuliwelt.de – Die Welt der Homöopathie

JalapaPurgierwinde

Jalapa wird aus der Wurzel der mexikanischen Purgierwinde gewonnen und nur potenziert verwendet. Die Materia medica ordnet dem Mittel Bauchkoliken des Säuglings zu, der tagsüber freundlich und brav ist, nachts aber schreit – meist mit wässrigem Durchfall.

Redaktion GlobuliweltVeröffentlicht Juli 2026 · Überarbeitet Juli 2026

Mittelbild & Leitsymptome

  • Kind ist tagsüber brav und schreit die ganze Nacht
  • Bauchkolik mit angezogenen Beinen und gespanntem Leib
  • Wässriger Durchfall mit Poltern und Gurren im Bauch
  • Kneifende Schmerzen um den Nabel
  • Beschwerden spitzen sich abends und nachts zu

Jalapa, die Purgierwinde, gehört zu den kleineren, aber scharf umrissenen Mitteln der homöopathischen Arzneimittellehre. Ausgangsstoff ist die harzreiche Wurzel einer mexikanischen Windenpflanze, die als drastisches Abführmittel Geschichte geschrieben hat – verwendet wird ausschließlich die potenzierte Zubereitung.

Das Arzneimittelbild hat ein unverwechselbares Zentrum: das Kind, das tagsüber freundlich und zufrieden ist, nachts aber schreit und sich mit angezogenen Beinchen vor Bauchkoliken windet. Homöopathen wählen Jalapa traditionell, wenn dieser Tag-Nacht-Gegensatz das Bild bestimmt, häufig begleitet von wässrigem Durchfall.

Mittelbild und Leitsymptome

Das Arzneimittelbild von Jalapa ist um ein einziges, sehr sprechendes Zeichen gebaut, das Boericke in einem berühmten Satz zusammengefasst hat: Das Kind ist tagsüber gut, lacht und spielt – aber es schreit die ganze Nacht. Die klinische Überlieferung ordnet diesem nächtlichen Schreien Bauchkoliken zu: Der Leib ist gespannt und aufgetrieben, das Kind zieht die Beine an, krümmt sich, will getragen werden und findet doch keine Lage, in der es zur Ruhe kommt.

Zweites Kernzeichen ist die Neigung zu wässrigem Durchfall. Die Materia medica beschreibt reichliche, dünne Stühle mit Poltern und Gurren im Bauch, die den Koliken folgen oder sie begleiten; der Abgang bringt nur kurze Ruhe, dann beginnt das Kneifen von Neuem.

Bei Erwachsenen kennt die Literatur dasselbe Muster in abgeschwächter Form: kneifende, kolikartige Schmerzen um den Nabel, ein rumorender Leib und dünne Stühle, die vor allem in der Nacht und in den frühen Morgenstunden drängen.

Über alle Altersstufen hinweg bleibt der Tag-Nacht-Gegensatz das eigentliche Erkennungszeichen: Was tagsüber kaum auffällt, spitzt sich mit dem Abend zu und beherrscht die Nacht – bis das Kind gegen Morgen erschöpft einschläft und der neue Tag wieder freundlich beginnt.

Traditionelle Anwendungsgebiete

Traditionelle Anwendungsgebiete

In der Homöopathie wird Jalapa traditionell bei Bauchkoliken junger Säuglinge eingesetzt, wenn das charakteristische Muster erkennbar ist: tagsüber ein zufriedenes, trinkfreudiges Kind, nachts Schreien, Strampeln und ein gespannter Leib. Die Praxisliteratur nennt das Mittel damit im Umfeld der sogenannten Dreimonatskoliken, immer entlang dieses Tag-Nacht-Kontrasts.

Zweites überliefertes Feld sind Durchfallzustände: wässrige, reichliche Stühle mit kneifenden Schmerzen um den Nabel, bei Kindern wie Erwachsenen, bevorzugt nachts und gegen Morgen.

Homöopathen wählen Jalapa außerdem, wenn Blähungskoliken mit lautem Gurren und Poltern einhergehen und der Abgang von Winden nur kurze Ruhe bringt.

Gegenüber anderen Kolikmitteln – etwa Chamomilla mit seiner zornigen Reizbarkeit und dem Verlangen, ständig getragen zu werden, oder Colocynthis mit der Besserung durch Zusammenkrümmen und festen Druck – gilt bei Jalapa die nächtliche Zuspitzung bei unauffälligem Tag als das entscheidende Auswahlzeichen.

Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?

Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.

↓ Verschlimmerung durch

  • nachts
  • in den frühen Morgenstunden
  • nach dem Trinken und Essen

↑ Besserung durch

  • + tagsüber
  • + ruhige Wärme auf dem Bauch
  • + Abgang von Winden

Dosierung & Einnahme

D6D12übliche Potenzen

Dosierung und Einnahme

Für die Selbstanwendung sind bei Jalapa die Potenzen D6 und D12 gebräuchlich. Säuglinge erhalten üblicherweise zwei bis drei Globuli, die in etwas abgekochtem, abgekühltem Wasser aufgelöst und vom Löffel gegeben werden; alternativ lässt man die Kügelchen in der Wangentasche zergehen. Ältere Kinder und Erwachsene nehmen fünf Globuli ein- bis dreimal täglich.

In der akuten Koliknacht arbeitet die Praxis mit einzelnen Gaben im Abstand von etwa einer halben bis ganzen Stunde, höchstens einige Male hintereinander. Bei eintretender Beruhigung wird die Gabe seltener und dann beendet; ein Weitergeben über die beschwerdefreie Zeit hinaus ist in der Homöopathie nicht vorgesehen. Hochpotenzen ab C30 gehören in die Hand erfahrener Behandler.

Substanz & Hintergrund

Modalitäten

Die Modalitäten von Jalapa sind schlicht und gerade darum einprägsam: Verschlimmerung nachts und in den frühen Morgenstunden – die Nacht ist die Zeit der Koliken und des Schreiens. Auch nach dem Trinken beziehungsweise nach den Mahlzeiten nennt die Überlieferung eine Zunahme des Kneifens.

Besserung tritt tagsüber ein; das Kind wirkt dann wie ausgewechselt, spielt und trinkt, als wäre nichts gewesen. Die Praxisliteratur beschreibt außerdem, dass ruhige Wärme auf dem Leib und der Abgang von Winden die einzelnen Kolikwellen abklingen lassen. Dieser klare Rhythmus – Tag gut, Nacht schlimm – ist zugleich das wichtigste Unterscheidungsmerkmal gegenüber verwandten Kolikmitteln.

Substanz und Hintergrund

Ausgangsstoff ist die getrocknete Wurzelknolle der Purgierwinde (Ipomoea purga), einer kletternden Windenpflanze aus den Bergwäldern Mexikos. Benannt ist sie nach der Stadt Xalapa im Bundesstaat Veracruz, über die die Wurzel seit dem 16. Jahrhundert nach Europa gehandelt wurde. Ihr Harz mit dem Hauptbestandteil Convolvulin machte Jalapa zu einem der bekanntesten drastischen Abführmittel der alten Medizin – eine Anwendung, die wegen ihrer Heftigkeit längst verlassen ist.

Die rohe Wurzel reizt Magen und Darm erheblich; in der Homöopathie wird deshalb ausschließlich die potenzierte Zubereitung verwendet, die in stufenweiser Verdünnung und Verschüttelung aus der Wurzel hergestellt wird.

Geprüft wurde Jalapa im 19. Jahrhundert; in die Praxisliteratur eingegangen ist es vor allem durch Boerickes knappe Charakteristik des tags braven, nachts schreienden Kindes, die dem kleinen Mittel bis heute seinen festen Platz in der Kinderpraxis sichert.

Ähnliche Mittel im Vergleich

Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Jalapa – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Häufige Fragen zu Jalapa

Wobei wird Jalapa in der Homöopathie traditionell angewendet?

Die homöopathische Tradition ordnet Jalapa vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Bauchkoliken bei Säuglingen, Nächtliches Schreien, Dreimonatskoliken, Blähungskolik, Wässriger Durchfall, Kneifende Bauchschmerzen, Unruhige Nächte. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

Welche Potenzen von Jalapa sind üblich?

Für Jalapa werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.

Was ist das typische Mittelbild von Jalapa?

Typische Leitsymptome, die die Materia medica Jalapa zuordnet: Kind ist tagsüber brav und schreit die ganze Nacht; Bauchkolik mit angezogenen Beinen und gespanntem Leib; Wässriger Durchfall mit Poltern und Gurren im Bauch; Kneifende Schmerzen um den Nabel; Beschwerden spitzen sich abends und nachts zu.