Mittelbild & Leitsymptome
- Kurze, explosionsartige Hustenstöße in schneller Folge
- Dunkelrotes bis bläuliches Gesicht nach dem Anfall
- Gefühl, als striche kalte Luft über die Atemwege
- Große Erschöpfung nach dem Hustenanfall
- Schleim, der aus dem Nasenrachen herabläuft
- Extreme Empfindlichkeit gegen kalte Luft
Corallium rubrum, die Rote Koralle, gehört zu den mineralischen Mitteln der Materia medica. Verwendet wird das feingeriebene Kalkskelett der Edelkoralle, die im Mittelmeer und im Atlantik wächst und seit der Antike als Schmuckstein geschätzt wird.
In der homöopathischen Arzneimittellehre steht Corallium rubrum für eine besondere Form des Hustens: kurze, explosionsartige Stöße, die dicht aufeinander folgen und in der englischen Literatur als minute-gun cough beschrieben wurden – Husten wie Kanonenschläge in gleichmäßiger Folge. Nach dem Anfall bleibt eine auffallende Erschöpfung zurück.
Das zweite tragende Zeichen ist die extreme Empfindlichkeit gegen kalte Luft: Betroffene haben das Gefühl, kalte Luft striche durch Nase, Kehlkopf und Brust.
Mittelbild und Leitsymptome
Die klassische Literatur beschreibt bei Corallium rubrum einen Husten, dessen Form entscheidend ist: nicht ein einzelner tiefer Stoß, sondern viele kurze, harte, explosionsartige Hustenstöße in rascher, gleichmäßiger Folge. Der Anfall steigert sich, bis kaum Zeit zum Einatmen bleibt; das Gesicht wird dunkelrot bis bläulich, die Augen tränen. Anschließend liegen Betroffene erschöpft da, matt und atemlos, oft mit dem Gefühl völliger Kraftlosigkeit – diese ausgeprägte Erschöpfung nach dem Anfall ist ein Kennzeichen des Mittels.
Das zweite große Zeichen ist die Kälteempfindlichkeit. Boericke überliefert die charakteristische Empfindung, als striche kalte Luft über die Atemwege, in die Nase oder in die Brust – auch dann, wenn keine Zugluft vorhanden ist. Jeder Temperaturwechsel, jedes Aufdecken, jeder kühle Luftzug wird als unangenehm empfunden und kann den Husten auslösen.
Hinzu kommt ein Bild des Nasenrachens: zäher Schleim, der von hinten in den Rachen herabläuft und zu ständigem Räuspern zwingt; die Nase fühlt sich verstopft an, ohne dass etwas abfließt. Der Geruchssinn kann überempfindlich sein.
Im Kehlkopf und in der Brust wird ein Gefühl von Hitze und Wundheit beschrieben, das im Gegensatz zur äußeren Kälteempfindlichkeit steht. Betroffene sind während der Anfälle unruhig und danach abgeschlagen und lichtscheu.
Traditionelle Anwendungsgebiete
Traditionelle Anwendungsgebiete
In der Homöopathie wird Corallium rubrum traditionell bei krampfartigem Husten eingesetzt, wenn dieser in kurzen, salvenartigen Stößen kommt, die Anfälle dicht aufeinander folgen und danach eine deutliche Erschöpfung zurückbleibt. Auch bei rauem, wundem Gefühl im Kehlkopf, bei häufigem Räuspern und bei zähem Schleim, der aus dem Nasenrachen herabläuft, nennt die Materia medica das Mittel.
Ein zweites überliefertes Anwendungsfeld ist der sogenannte Stockschnupfen mit verstopfter Nase ohne Sekretfluss sowie die ausgeprägte Empfindlichkeit gegen kalte Luft und Temperaturwechsel, die Homöopathen als Hinweis auf das Mittel deuten.
Die klassische Literatur nennt Corallium rubrum außerdem bei keuchhustenartigen Anfällen, bei denen die Hustenstöße in dichten Salven kommen.
Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert?
Modalitäten sind in der Homöopathie das Zünglein an der Waage bei der Mittelwahl.
↓ Verschlimmerung durch
- – Kalte Luft und Zugluft
- – Temperaturwechsel
- – Nachts
- – Aufdecken
- – Tiefes Einatmen
↑ Besserung durch
- + Wärme und warme Einhüllung
- + Ruhe im warmen Raum
- + Langsames, flaches Atmen
- + Abgedunkelte Umgebung
Dosierung & Einnahme
D6D12übliche Potenzen
Dosierung und Einnahme
Für die Selbstanwendung sind die Tiefpotenzen D6 und D12 gebräuchlich. Üblich sind fünf Globuli, bei akutem Hustenreiz zunächst in Abständen von ein bis zwei Stunden über höchstens einen Tag, danach zwei- bis dreimal täglich. Kinder erhalten drei Globuli; für kleine Kinder können die Globuli in etwas Wasser aufgelöst werden.
Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen, mit etwas Abstand zu Mahlzeiten und ohne Pfefferminz. Da das Mittelbild eine starke Kälteempfindlichkeit zeigt, empfiehlt die Praxisliteratur, den Raum gleichmäßig warm zu halten und kalte Zugluft zu vermeiden.
Sobald sich der Husten bessert, wird die Einnahme reduziert und dann abgesetzt. Hochpotenzen ab C30 bleiben erfahrenen Behandlern vorbehalten.
Substanz & Hintergrund
Modalitäten
Verschlimmerung tritt nach dem Arzneimittelbild durch kalte Luft und Zugluft ein, durch jeden Temperaturwechsel, beim Aufdecken oder Entkleiden, nachts sowie durch tiefes Einatmen. Auch der Wechsel aus einem warmen Raum ins Freie wird als typischer Auslöser genannt.
Besserung beschreibt die Materia medica durch Wärme und warmes Einhüllen, durch Ruhe in einem gleichmäßig warmen Raum, durch langsames, flaches Atmen sowie in abgedunkelter Umgebung, da Licht während und nach den Anfällen als unangenehm empfunden wird. Die Kombination aus salvenartigem Husten, nachfolgender Erschöpfung und extremer Kälteempfindlichkeit unterscheidet Corallium rubrum in der klassischen Literatur von anderen Hustenmitteln wie Coccus cacti, dessen Bild sich gerade durch Kaltes bessert.
Substanz und Hintergrund
Corallium rubrum ist die Edelkoralle des Mittelmeers, ein Nesseltier, dessen Kolonien ein hartes, tiefrotes Kalkskelett bilden. Dieses Skelett – chemisch überwiegend Kalziumkarbonat mit Spuren weiterer Mineralien und organischer Farbstoffe – wird für die homöopathische Zubereitung fein verrieben und in mehreren Stufen mit Milchzucker verschüttelt, also trituriert und potenziert.
Die rote Koralle war in der Antike und im Mittelalter ein begehrter Schmuck- und Amulettstein; man schrieb ihr schützende Bedeutung zu und gab Kindern Korallenketten. Die Bestände der Edelkoralle sind heute stark zurückgegangen, die Entnahme ist reguliert; für die homöopathische Herstellung werden nur geringe Mengen benötigt.
In die Arzneimittellehre wurde Corallium rubrum im 19. Jahrhundert eingeführt. Die charakteristische Beschreibung des salvenartigen Hustens stammt aus der englischsprachigen Materia medica und findet sich bei Boericke und Allen; von dort ist sie in die deutsche Literatur übernommen worden.
Ähnliche Mittel im Vergleich
Diese Mittel teilen Anwendungsgebiete mit Corallium rubrum – die Leitsymptome entscheiden über die Abgrenzung.

Coccus cacti
Kaktuslaus
Coccus cacti wird aus den getrockneten weiblichen Schildläusen gewonnen, die auf Feigenkakteen leben und den Farbstoff Karmin liefern. Die Materia medica ordnet dem Mittel krampfartige Hustenanfälle mit zähem, fadenziehendem Schleim zu.
Krampfartiger HustenReizhustenHustenanfälle am MorgenKitzeln im Kehlkopf
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Acalypha indica
Indisches Brennkraut
Acalypha indica, das indische Brennkraut aus der Familie der Wolfsmilchgewächse, wird in der Homöopathie traditionell bei trockenem, krampfartigem Reizhusten eingesetzt. Typisch ist morgendliche Schwäche, die sich im Tagesverlauf bessert.
Trockener HustenReizhustenKrampfartiger HustenBrustschmerzen
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Justicia adhatoda
Indisches Lungenkraut
Justicia adhatoda stammt aus der indischen Heiltradition und wird in der Homöopathie traditionell bei heftigem Erkältungsschnupfen eingesetzt. Die Materia medica ordnet dem Mittel Niesattacken mit Fließschnupfen und einen anfallsartigen Husten zu, der dem Schnupfen folgt.
ErkältungsschnupfenNiesattackenFließschnupfenErkältungshusten
Zum Mittel-Profil →Häufige Fragen zu Corallium rubrum
Wobei wird Corallium rubrum in der Homöopathie traditionell angewendet?
Die homöopathische Tradition ordnet Corallium rubrum vor allem diesen Anwendungsgebieten zu: Krampfartiger Husten, Hustenanfälle in Salven, Kehlkopfreizung, Schleim im Nasenrachen, Stockschnupfen, Erschöpfung nach Hustenanfällen, Empfindlichkeit gegen kalte Luft, Räuspern. Die Mittelwahl richtet sich dabei nach dem individuellen Beschwerdebild. Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
Welche Potenzen von Corallium rubrum sind üblich?
Für Corallium rubrum werden in der Praxis häufig die Potenzen D6, D12 verwendet. Zur Selbstanwendung greifen Anwender traditionell zu niedrigen Potenzen (D6–D12); Hochpotenzen gelten als Sache erfahrener Homöopathen.
Was ist das typische Mittelbild von Corallium rubrum?
Typische Leitsymptome, die die Materia medica Corallium rubrum zuordnet: Kurze, explosionsartige Hustenstöße in schneller Folge; Dunkelrotes bis bläuliches Gesicht nach dem Anfall; Gefühl, als striche kalte Luft über die Atemwege; Große Erschöpfung nach dem Hustenanfall; Schleim, der aus dem Nasenrachen herabläuft; Extreme Empfindlichkeit gegen kalte Luft.
